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Author's Chapter Notes:
Ich hoffe ihr seid alle gut ins neue Jahr gerutscht

 

Ich saß in der Falle. Aidan hatte mich längst gesehen, ich konnte mich also nicht noch einmal umdrehen und zu meiner Wohnung zurück sprinten. Wie dämlich ich aber auch sein kann. Also, wenn Darwin recht gehabt hätte, ich hätte mich schon längst selbst von diesem Erdball katapultiert haben müssen. Wegen dem fehlerhaften Erbgut, das sich doch selbst vernichtet, oder so. Richtig verstanden hab ich das eigentlich nie, aber das war in dem Moment auch irgendwie egal. Aidan kam mit festem Schritt auf mich zu und ich stand einfach so da, unten rum völlig entblößt. Da macht man sich tatsächlich noch Gedanken, mit welcher Unterwäsche man nicht zu nuttig rüberkommt und geht dann ganz ohne Höschen aus dem Haus. Jetzt konnte ich nur noch hoffen, dass mein Kleid lang genug war und dass kein unerwarteter Sturm aufzog.

„Hallo Meredith."

Erst denken, dann reden. Wenn ich jetzt auch noch anfing alles aus meinem Kopf raus zulassen, wie im Büro meiner Chefin am Morgen, dann hätte ich ihm wohl mit wenigem Worten mitgeteilt, dass meine Vagina gerade freien Ausblick auf den Asphalt genoss.  Das wollte ich unbedingt vermeiden. Erst denken, dann reden. Erst denken, dann reden. Erst denken, dann reden.

„Hallo Aidan." Ich rang mir ein Lächeln ab, während ich meine Hände in dem Stoff meines Kleides vergrub und diesen nach unten zog

 „Schön, dass Sie gekommen sind. Ich hatte ehrlich gesagt schon Angst, Sie würden nicht kommen, nachdem ich Sie heute Morgen mehr oder weniger mit meiner Einladung überfallen habe."

„Ich wäre nicht gekommen, wenn ich es nicht gewollt hätte." Nun lächelte ich selbstbewusster. Und schaffte es meine verkrampften Hände aus meinen Rockfalten zu lösen. Heute zählte ein perfektes Auftreten. Den ersten Eindruck, den gibt es kein zweites Mal.

„Na, das freut mich doch." Er machte kurz, eine komische Verrenkung mit seinem Gesicht, die wohl soviel heißen sollte wie: ‚Yeah me! Die Kleine steht auf mich‘ und mein Lächeln noch verbreiterte, bevor er sich umdrehte und mit dem Finger die Straße hinunter zeigte. „Da vorne gibt es ein schönes kleines Café. Haben Sie Lust?" Galant reichte er mir seinen rechten Arm und ich hackte mich mit einem Nicken bei ihm ein. Die Manieren stimmten also schon mal. Nicht, dass ich da besonders viel Wert drauf legen würde, aber es könnte definitiv nicht schade, sollte er wirklich der Mann sein, für den ich ihn hielt. Dann wäre nämlich ein Treffen mit meinen Eltern unausweichlich und gute Manieren ein klarer Pluspunkt. Und so legten wir gemeinsam den kurzen Weg zum Café zurück und traten ein.

„Bitte, setzen Sie sich doch." Formvollendet zog er einen der Polstersessel ein Stück vom Tisch weg, damit ich mich setzen konnte. Ein wahrer Gentleman. Mein Prinz eben. Ich musste es jetzt einfach nur schaffen mich, auch wenn ich keine Prinzessin war, so elegant hinzusetzen, dass er nicht sofort meinen blanken Hintern vor der Nase hatte. Und wenn ich erst mal saß, würde schon alles gut werden. Hoffte ich.

„Danke sehr." Mit grazilem Gang schritt ich um den Sessel herum und streifte dabei seine Hand, die er auf der gepolsterten Rücklehne abgelegt hatte. Nur weil ich kein Höschen trug und am liebsten gestorben wäre, hieß das schließlich noch lange nicht, dass ich nicht mit ihm flirten konnte. Dann fuhr ich mit beiden Händen über den Rock und zog ihn nach unten, als ich mich niederließ. Perfekt. Innerlich klopfte ich mir voller Stolz auf die Schulter.  Aidan würde glauben, ich hätte das getan, um hinterher keine Falten im Stoff zu haben und mein guter Ruf, so denn ich jemals einen gehabt hatte war gewahrt. Jetzt ging es darum, Aidan von meinen Qualitäten zu überzeugen und dann ZOOM in den Hafen der Liebe einzufahren. Und sie lebten glücklich und zufrieden und dieser ganze Kram.

„Also, Meredith." Mein Prinz hatte inzwischen mir gegenüber Platz genommen. „Sie denken wahrscheinlich, ich wäre völlig verrückt, mich einfach so mit ihnen verabreden zu wollen."

„Nein", antwortete ich wahrheitsgemäß, denn die Verrückte hier am Tisch war ja wohl eindeutig ich. Die Schusselige und sowieso durch und durch seltsame Person. Am besten sagte ich ihm sofort was er sich da eingebrockt hatte. „Ehrlich gesagt bin ich sogar sehr froh. Und sag doch bitte Du zu mir. Weil Vornamen und Siezen finde ich ganz furchtbar."

Er lachte leise auf. „Okay. Und was findest du noch so alles furchtbar?"

„Bitte?" Die Frage verstand ich nicht.

„Naja, ich hab mir fest vorgenommen alles zu tun um dir zu gefallen und ich denke, das kann ich am besten, wenn ich weiß was du nicht ausstehen kannst."

Nun musste ich lachen. „Ich hingegen hatte soeben beschlossen, mich einfach gar nicht zu verstellen, damit du sofort weißt, wen du dir da angelacht hast."

„Oh. Okay. Also eigentlich ist das ja auch irgendwie das Beste. Warum meinen die Leute immer sich verstellen zu müssen, nur um jemand anderem zu gefallen? Am Ende muss man ja doch wieder man selbst sein. Was nützt es extra zum Friseur zu rennen und sich ein neues Kleid zu kaufen, wenn man früher oder später doch wieder den pinken Jogginganzug trägt. In dem du übrigens ganz bezaubernd aussahst."  

Ich hätte niemals gedacht, dass es rein physiologisch möglich ist, aber mir stieg sämtliches Blut in den Kopf. Für mehrere Augenblicke war mein ganzer Körper mit dieser Flüssigkeit unterversorgt, während mein Kopf zu platzen drohte. Ich fühlte mich auch nicht dazu in der Lage irgendetwas zu erwidern und war deshalb mehr als nur froh, als der Kellner sich zu uns bequemte und ich mein geschwollenes, rotes Gesicht hinter der Karte verstecken konnte. Ich ließ mir mit meiner Auswahl natürlich extra lange Zeit. Zumindest so lange, bis ich das Gefühl hatte, dass  alle Gliedmaße wieder durchblutet wurden. Ich hätte in Anbetracht meiner langen Überlegungszeit vielleicht etwas anderes bestellen sollen, als einen schlichten schwarzen Kaffee, aber den mag ich nun mal am liebsten. Und Aidan schien es mir nicht krumm zu nehmen.

„Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen." Nun war es seine Hand, die wie zufällig über die meine glitt.

„Schon gut."

„Also, was denkst du?"

„Worüber?" Ich hatte den Kopf die ganze Zeit gesenkt gehalten, um diese unnatürliche Röte vor ihm zu verbergen, doch nun sah ich ihn an.

„Na, darüber, dass wir ausnahmslos und schonungslos ehrlich zu einander sind." Aidan zwinkerte mir kurz zu und nahm seine Hand von der meinen, um seinen Kaffee entgegen zu nehmen.

„Find ich gut", stimmte ich seinem Vorschlag zu. Es war ja auch quatsch. Es nützte nichts ihm was vorzumachen. Früher oder später würde er ja doch jeden meiner kleinen Fehler (und davon gab es schließlich eine ganze Menge) ausgraben und ans Tageslicht befördern. Und wenn er wirklich der Prinz war, für den ich ihn hielt, nämlich mein Prinz, dann würde er mich mit oder gerade wegen all dieser Macken lieben.

„Na, dann auf die Wahrheit."  Fast schon feierlich hob Aidan seine Tasse und ich tat es ihm gleich, um mit ihm anzustoßen. Zum ersten Mal seit unserem Aufeinandertreffen schaffte ich es offen und ehrlich zu lächeln. Ich fühlte mich wohl in Aidans Gesellschaft und dieses Wohlgefühl wurde lediglich von der etwas stacheligen Polsterung des Sessels getrübt, die mir durch den dünnen Stoff des Kleides permanent in den blanken Popo piekste.  Und so musste ich erst einige Verrenkungen hinlegen, bis ich eine einigermaßen bequeme und nicht pieksende Sitzposition gefunden hatte.

„Alles in Ordnung?" Mit leichter Verwunderung betrachtete mein Begleiter meine Turnübungen.

„Jaja, alles in Butter." Ehrlichkeit hin oder her. Über meine ungewollte Blöße und den pieksigen Stuhl wollte ich ihn dann doch nicht aufklären. Ich richtete mich kurz auf und schob mein linkes Bein so auf dem Sessel, dass ich darauf sitzen konnte. Dann griff ich nach meinem Kaffee und nahm einen Schluck. „Also Aidan! Dann erzähl mir doch von dir."

„Von mir? Was willst du denn wissen?"

„Alles." Ich grinste ihn über den Rand meiner Tasse hinweg an.

„Alles? Das ist aber eine ganze Menge. Na, lass mal sehen..."

Ich stütze meine Ellenbogen auf den Tisch, umklammerte die Kaffeetasse und sah ihn unentwegt an. Unbewusst stellte ich seine Erzählung über sich selbst und sein Leben auf tonlos, nur um ihn besser und vor allem ungestörter betrachten zu können.  Natürlich bereute ich das später, weil mir dadurch sicherlich einige spannende und wichtige Details über ihn entgangen sind, aber er sah einfach zu hinreißend aus. Sein dunkles Haar sah so wunderschön voll aus und für einen kurzen Moment der Schwäche fiel es mir denkbar schwer nicht einfach so hinein zu greifen. Das wäre dann wohl doch ein bisschen zu viel des Guten gewesen. Aber in seinen schokoladenbraunen Augen versinken, das konnte ich auch ohne ihn dafür berühren zu müssen und ihm so unangebracht nahe zu kommen. Und das tat ich auch. Dieser Mann war einfach genau mein Typ.

„Und du?"

Ich brauchte einige viel zu lange Sekunden, bis ich registriert hatte, dass Aidan seinen Vortrag längst abgeschlossen hatte und ihm nicht entgangen war, dass ich und meine Gedanken auf einem ganz anderen Planeten weilten. „Ich äh..." Ich richtete mich auf und drückte den Rücken durch. „Ich bin eine wahnsinnig schlechte Zuhörerin", gestand ich Wahrheitsgemäß.

„Das erklärt natürlich einiges. Und ich hatte schon gedacht, ich wäre einfach nur so langweilig und dein Blick deshalb so abwesend." Er nahm einen Schluck von seinem Kaffee und sah dabei so dermaßen sexy aus, dass ich ihm am liebsten an Ort und Stelle die Kleider vom Leib gerissen hätte. „Wenn du also schon so schlecht zuhörst, wie wäre es dann, wenn du etwas von dir erzählst."

„Hm.. Tjoa." Nachdenklich zupfte ich meinen Rocksaum glatt. „Ich bin also Meredith und 29 Jahre alt und arbeite als Housekeeperin."

„Housekeeperin?"

„Ja. Ich pass auf die Villen gutbetuchter Leute auf, wenn die Mal im Urlaub sind oder so."

„Interessant. Ich hab mal in einer Zeitung gelesen, dass 95% aller Prominenter nicht wissen, wo in ihrem eigenen Haus die Waschmaschine steht. Ist da was dran?"

„Das weiß ich nicht. Bisher hatte ich noch nicht das Vergnügen auf die Villa eines Promis aufzupassen. Sollte ich aber mal, werd ich das rausfinden." Ich musste lachen. Die Vorstellung, dass jemand nicht wissen sollte, wo in seinem eigenen Haus die Waschmaschine stand, war selbst für meinen Kopf kaum zu fassen. Ich meine, ich komm ja auch aus reichen Verhältnissen und bevor ich alleine gewohnt hab, hab ich auch noch nie selbst gewaschen, aber wo die Waschmaschine stand, das wusste ich schon. Die hatte schließlich einen eigenen Raum. Und man muss doch wissen, was sich so hinter den Türen im eigenen Haus befindet. Aber vielleicht muss man das auch nicht. Vielleicht müssen das nur neugierige Menschen wie ich. Menschen wie ich, die auch das Prinzip des Anklopfens nie richtig verstanden haben. Und das hat mir schließlich auch schon mehr als einmal Ärger eingebrockt. Vielleicht machten diese Menschen es genau richtig. Und Wäsche wuschen die wahrscheinlich auch nicht selber. Hab ich ja früher auch nicht. Für sowas hat man ein Hausmädchen. Und die meisten Designerkleider sind für die Maschine eh nicht geeignet, sondern müssen in die Reinigung und was sowas angeht, da kenn ich mich aus. Da hab ich Ahnung. Glauben Sie mir. Man versaut sich nur einmal einen sündhaft teuren Versace Cashmerepullover, nur weil man Geld sparen will.

Wir redeten an diesem Nachmittag wirklich über alles. Fast kein Geheimnis blieb im Verborgenen. Ich erzählte ihm sogar vom Debütantinnenball und er mir von Paris. Dort ließ nämlich Aidan seine Jungfräulichkeit. Bei einem Schüleraustausch in den Armen der Tochter seiner Gastfamilie. Ich erzählte ihm von meiner übermenschlichen Leidenschaft für Kaffee und gestand ihm letzten Endes auch, dass ich für Designerkleidung töten würde. Ich dachte, das würde ihn völlig verschrecken. Männer haben ja eher eine traumatische Ansicht von einkaufenden Frauen, aber Aidan nahm es mit Humor. Er amüsierte sich ebenfalls köstlich, als ich ihm ein paar Geschichten aus meiner Studienzeit erzählte und lachte über die seinen. Zwar hatte Aidan damals ein wenig mehr Eifer und Ernsthaftigkeit in die Sache gesteckt als ich, aber vor wilden Partys machte auch er keinen Bogen.

Irgendwie waren wir uns ähnlich. Mein Gefühl hatte mich also nicht getäuscht. Er war mein Prinz. Wir siedelten vom Café, in das Restaurant nebenan über und redeten bei Hummer und Wein munter weiter. Keiner von uns beiden war gewillt die Verabredung zu beenden. Zeitweise schaffte ich es sogar mein fehlendes Unterhöschen vollkommen zu vergessen. Stattdessen fragte ich mich lieber, was Aidan wohl unter den Designerjeans trug und ob er sich immer in so edle Marken hüllte. Mittlerweile wusste ich auch, dass er als Ingenieur tätig war und auch wenn er mir nicht verraten wollte, wie viel man da so verdiente, war es immerhin genug Geld für eine Dreizimmerwohnung in Stadtnähe und eben Designerjeans. Designerjeans, die seinen knackigen Hintern wirklich gut zur Geltung kommen ließen, wie ich feststellen durfte, als er sich einmal kurz entschuldigte, um die sanitären Örtlichkeiten aufzusuchen.

Als er mich nach dem gemeinsamen Dinner bis zu meiner Haustür geleitete, hatte ich das Gefühl, diesen Mann bereits Ewigkeiten zu kennen. Soviel wie ich an nur einem halben Tag über diesen Mann erfahren hatte, hatte ich zuvor nicht einmal von meinen engsten „Freunden" gewusst. Diese Ehrlichkeitssache war echt gar nicht schlecht. Mal abgesehen davon, dass meine Liste beim Aufzählen der Ticks und Macken immer viel länger war als seine. Ich glaub, zum Schluss hat er auch noch Angewohnheiten erfunden, die gar nicht stimmten, nur um mich in einem besseren Licht dastehen zu lassen. Und obwohl das gar nicht der Regel mit der Wahrheit entsprach, so war es doch auch irgendwie süß.

Verlegen stand ich also vor meiner Haustür. Inzwischen war es stockfinster und nur das Licht einer Straßenlaterne beleuchtete unsere Zweisamkeit. Brav und artig, wie es mir Highschoolromanzen aus Hollywood beigebracht hatten, wartete ich also nun wie eine moderne Prinzessin auf meinen Abschiedskuss und das Versprechen, dass wir uns so schnell wie möglich wiedersehen würden. Rein und Keusch. So waren Prinzessinnen. Und das war vielleicht auch immer diese eine kleine Sache, die ich an Prinzessinnen nicht ausstehen konnte. Ich wollte nicht, dass Aidan jetzt ging und mich einfach so mit einem popligen Kuss, wahrscheinlich auch noch ohne Zunge, zurück ließ. Ich wollte mehr. Wenn ich so schon keine Prinzessin sein konnte, dann konnte ich auf diese aufgeblasene Sittsamkeit auch verzichten. Ich war schließlich eine erwachsene Frau mit Bedürfnissen.

Und so schaffte ich es gerade noch zwei Finger auf seine Lippen zu legen, die sich den meinen in solch sittsamer weise zu nähern versuchten. „Du hast nicht rein zufällig Lust noch mit auf ´nen Kaffee raufzukommen?"

Sein Kopf wich wieder einige Zentimeter zurück und er betrachtete mich. Ich lächelte, obwohl ich für einige Sekunden befürchtete, er könnte ablehnen und ich hätte mich somit selbst sogar um meinen Abschiedskuss geprellt. „Ich trinke gerne Kaffee zum Frühstück." Seine rechte Augenbraue wanderte vielsagend in die Höhe.

„Das trifft sich gut, denn was anderes hab ich auch nicht im Haus." Umgehend machte ich mich daran die Haustür zu öffnen und fasste ihn bei der Hand, um ihn hinter mir her, die Treppe rauf zu ziehen. Vor meiner Wohnungstür blieben wir wieder stehen und ich wühlte an meinem Schlüsselbund nach dem richtigen Schlüssel.

„Hier wohnst du also."

„Ja, hier wohne ich. Ich sollte vielleicht vorher sagen, dass es nicht das Ritz ist."

„Macht ja nichts." Plötzlich schlossen sich zwei fordernde Hände um meine Hüften und zogen mich näher. Noch ehe ich wusste wie mir geschah, legten sich die Lippen meines Prinzen auf die meinen und ich hatte das Gefühl, als hätte mich jemand ganz feste vor den Kopf geschlagen. Knock out. Das hatte aber weniger was damit zu tun, dass sein Kuss mich so sehr berauschte, sondern viel mehr damit, dass ich nicht damit gerechnet hatte. Ich schrak zusammen, machte eine ungeschickte Bewegung und unsere Köpfe schlugen nicht gerade sanft aneinander. „Autsch!" Sofort waren die fordernden Hände wieder verschwunden und Aidan rieb sich die Stirn.

„Tschuldigung", nuschelte ich verlegen. „Das wollte ich nicht." Weil ich nicht wusste was ich sonst tun sollte, schloss ich erst einmal die Haustür auf und machte das Licht an. „Komm doch rein. Brauchst du vielleicht Eis?" Wieder fasste ich ihn bei der Hand und zog ihn in meine Küche. „Setz dich." Ich wartete nicht, bis Aidan sich auf einen der Stühle nieder gelassen hatte, sondern wühlte sofort in meinem Gefrierschrank nach etwas zu kühlen.

Mit einer Packung Spinat in der Hand, drehte ich mich wieder um. Aidan war meiner Aufforderung nachgekommen und hatte sich hingesetzt. Auf seiner Stirn prunkte ein saftiger roter Fleck der sich später noch erheblich blau verfärben sollte. „Gott ist mir das peinlich."

„Und ich dachte immer, der Mann haut das Weibchen KO, um es dann an den Haaren in seine Höhle zu schleifen", scherzte Aidan aber bereits wieder. Behutsam drückte ich das Tiefkühlgericht gegen die Stirn.

„Und ich dachte, es wäre schon peinlich genug gewesen heute ohne Höschen aus dem Haus zu gehen." Zack! Erst gesprochen, dann gedacht. Ich lern das einfach nicht mehr.

„Du hast kein Höschen an?" Das Grinsen auf dem Gesicht meines Prinzen verdreifachte sich innerhalb einer Millisekunde. Ich zuckte lediglich mit Schultern und sah verlegener, als ich es von mir gewöhnt war auf meine Füße. Aidan hingegen hatte sich von meiner Kopfnussattacke scheinbar nicht abschrecken lassen. Achtlos ließ er die Spinatpackung auf den Küchentisch fallen und griff nach meinen Handgelenken, um mich sanft aber bestimmt auf seinen Schoß zu ziehen. Auch dieses Mal erschrak ich, verletzte aber niemanden dabei. Und dann passierte es endlich. Der erste richtige Kuss zwischen mir und meinem Prinzen. Was soll ich sagen. Es war toll. Es war fantastisch. Es war ein Feuerwerk. Es war genauso wie sich der erste Kuss mit dem Traumprinzen eben anfühlen musste. Wir küssten uns innig und lange, bevor er dem Wahrheitsgehalt meiner Unterwäscheaussage auf den Grund ging.

 

 

 

 


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