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Author's Chapter Notes:
so denn, dank meiner liebsten bet katie gibts dieses jahr doch noch ein kap. dann ist aber schluss. moregn gehts nach london. ich wünsch euch allen einen guten rutsch und nur das beste für das neue jahr

Sein Gesicht schien mir wie von gleißendem Licht bestrahlt vor, wie er so da stand.  Seinen Kopf hatte er leicht zur Seite geneigt, während er mich mit einem leicht amüsierten Lächeln betrachtete. Aber immerhin hatte er sich nicht einfach umgedreht und war gegangen. Das war gut. Das war ein Anfang. Gott, am liebsten hätte ich mir sofort und auf der Stelle die Kleider vom Leib gerissen und ihn angefleht, mich hier und jetzt zu nehmen. So machten  es die Frauen in den Highlanderschnulzromanen, die ich heimlich las schließlich auch immer. Aber das Leben war kein Groschenroman. Und das richtige Leben schon gar nicht. Im Leben gab es gewisse Regeln und Richtlinien. Die wurden zwar nirgendwo aufgeschrieben, aber jeder kennt sie. Eine davon lautet: „Entkleide dich niemals in aller Öffentlichkeit und schon gar nicht am helllichtem Tage in einem Londoner Kiosk." Und eine weitere Regel besagt: „Wenn du willst, dass sich ein Mann für dich interessiert, dann tu einfach so, als würdest du dich nicht die Bohne für ihn interessieren."

Ich wollte, dass Aidan sich für mich interessierte. Ich wollte nichts anderes. Also atmete ich so tief durch wie es ging, ohne das es auffiel und straffte meine Schultern. Meinen Blick konnte ich allerdings nicht einen Zentimeter von seinem schönen Gesicht wegbewegen. Wie sollte man so tun als fände man einen Mann uninteressant, wenn man ihn unentwegt anstarrte? Ich war völlig hin und her gerissen. Er war genau der Mann, nach dem ich immer gesucht hatte. Mein Prinz. Horden von Schmetterlingen schienen sich genau in diesem Moment in meinem Bauch zu entpuppen und schlugen wild mit ihren Flügen, erfreut über ihre neugewonnene Freiheit.

„Wissen Sie, Meredith." Die Art wie er meinen Namen aussprach, dieser weiche Klang, den er ihm verlieh, ließ meine Knie zu Wackelpudding werden. „ich hätte das Portemonnaie ja auch einfach hier abgeben können, aber ich wollte Sie gerne wieder sehen. Bitte halten Sie mich jetzt nicht für einen wahnsinnigen Stelzbock oder etwas dergleichen, aber ich dachte mir.... Also wenn Sie nicht schon anderweitig... also jedenfalls dachte ich, Sie hätten vielleicht Lust..."

„JA!", schrie ich ihm entgegen, noch bevor er seinen Satz überhaupt hatte beenden können. Na, wenn das mal nicht ein grober Verstoß gegen alle geltenden Datingregeln dieser Welt war, dann wusste ich es auch nicht. Grob fahrlässig nennt man sowas, glaub ich. Hätte er sich jetzt umgedreht und ohne ein weiteres Wort den Laden verlassen, ich hätte es ihm noch nicht einmal übel nehmen können. Hat ja nur noch gefehlt, dass ich neben meiner ganzen „JA!" Brüllerei noch die rechte Hand hebe, damit er mir einen Ring an den Finger stecken konnte. Dumme Meredith! Ganz, ganz dumme Meredith! Schäm dich!

Ich hatte nie einen Hang zu selbstverletzenden Verhalten, aber in diesem Moment hätte ich meinen Kopf nur all zu gerne gegen eine harte Betonwand geschlagen. Und dieser Drang minderte sich nicht im Geringsten, als ich bemerkte, wie mich mein Prinz überaus irritiert ansah. „Ja? Aber Sie wissen doch gar nicht, was ich Sie fragen wollte."

Da hatte er Recht. Nicht, dass es irgendwas ausgemacht hätte. Zwar ging ich aus irgendeinem Grund davon aus, er hätte mich nach einer Verabredung fragen wollen, aber er hätte mich auch um jeden anderen Gefallen dieser Welt bitten können. Ich hätte es getan. Einfach so. Er hätte sich noch nicht einmal bedanken müssen. Aber das konnte ich ja nun auch wieder schlecht sagen. Ich meine, immerhin stand er immer noch vor mir. Ich musste irgendwas tun, um das Blatt endlich zu wenden und mich ein in einem bisschen weniger dummen Licht glänzen zu lassen, als ich es bisher getan hatte. Denk nach Mery. Denk nach!

„Ich..äh... Ich neige zu Kurzschlussreaktionen, wenn ich noch keinen Kaffee hatte."

OOOOOOOOOKAY! Könnte dann bitte noch jemand Nägel, die mit der spitzen Seite nach außen zeigen in die Wand schlagen, gegen die ich meinen Kopf noch immer hauen will. Hätte mir denn noch irgendwas Dämlicheres einfallen können? Hilfe! Ich brauchte ganz eindeutig Hilfe. Und zwar schnell. Am besten schon gestern. Was war denn nur bitte los mit mir? Eins können Sie mir glauben, ich hab diese Szene in meinem Kopf bestimmt schon an die tausend Mal Revue passieren lassen, ich versteh bis heute noch nicht, wie ich so eine Scheiße zusammenlabern konnte. Ich hätte mir auch direkt ein Zimmer in der Einrichtung nehmen können, in der der Julius wohnt. Es war doch nicht das erste Mal in meinem Leben, dass ich einem attraktiven Mann gegenüber stand. Wieso bitte benahm ich mich so dermaßen daneben? Prinz hin oder her! Der würde mir mit seinem weißen Ross doch höchstens noch einen Arschtritt verpassen.

„Das erklärt natürlich einiges." Er nickte verständnisvoll. Ich kicherte. Hätte ich nicht in einer Hand meinen Kaffee und in der anderen mein Portemonnaie gehalten, ich hätte mir mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. „Wenn Sie so auf Kaffee abfahren, Meredith" Oh ja, sag meinen Namen. Entschuldigung. Ich weiß, dass diese Geschichte auf Papier steht und deshalb keinen Ton hat, aber der Klang dieser Stimme, in Verbindung mit meinem Namen war  so einen kleinen Ausbruch gerade mal echt wert. Außerdem würde ich ihn eh nie wiedersehen und musste somit die Gelegenheit nutzen, mir diese Stimme so tief es eben ging in mein Hirn oder Innenohr oder wie auch immer zu meißeln. „Was denken sie?"

„Wenn Sie so auf Kaffee abfahren, Meredith. Was denken Sie?" Macht der Satz nur in meinem Hirn keinen Sinn oder in Ihrem auch nicht? Verdammt! Aidan muss irgendwas gesagt haben, als ich damit beschäftigt war seine Stimme geil zu finden und mich darauf konzentrieren musste, dass mir kein Speichel aus dem Mund tropfte. Gesabbert hab ich auch nicht, aber auch nicht mitbekommen, was er gesagt hat. Verdammt, verdammt, verdammt! Wo ist der allwissende Spiegel, wenn man ihn mal braucht? Spieglein, Spieglein an der Wand, was hat der Mann gesagt, verdammt?  So ein Spiegel wäre doch mal ne echte Marktlücke. Sollte man mal irgendeinem Einrichtungshaus nahebringen. Ich hätte in dem Moment auf jeden Fall ganz dringend einen gebraucht. Hatte nun aber leider keinen. Gott, das Leben ist so ungerecht!

„Ich halte das für eine sehr gute Idee", hörte ich mich dann schließlich sagen. Sehr gut! Erst mal zustimmen. Um die Details kann man sich ja später immer noch Sorgen machen. Für jede Lösung ein Problem oder wie heißt es so schön?

„Wann würde es Ihnen denn passen?"

WAS DENN? „Ähm... heute Abend?"

„Sie trinken abends noch Kaffee? Das sollten Sie wirklich nicht. Wie wäre es mit heute Nachmittag?"

„Ist auch super." MOMENT! Hatte er mich gerade tatsächlich auf einen Kaffee eingeladen??? Ich glaub´s ja nicht. Nach allem was ich verzapft hatte, hat der mich tatsächlich auf einen Kaffee eingeladen. Das grenzte ja geradezu an ein Wunder. Also entweder das oder mein Prinz war ein absoluter Vollidiot. Aber das würde ich dann schon noch rausfinden. Oh Gott. Schmetterlingsalarm. Von soviel Flügelschlagen auf nüchternen Magen kann einem übrigens auch schlecht werden. Aber das nur mal so am Rande. Übergeben musste ich mich jetzt nicht oder so. Mich überkam nur urplötzlich der grausige Gedanke, dass ich ja überhaupt nichts anzuziehen hatte. Also ich hatte schon was anzuziehen, stand ja nicht nackt im Kiosk. Aber ich hatte nichts, was es würdig war, beim ersten Date mit meinem Prinzen getragen zu werden. Nichts prinzessinnenhaftes. Nicht mal annähernd.

„Gut. Wie wäre es, wenn wir uns um vier hier wieder treffen?"

„Vier ist toll." Du bist toll!

„Gut. Dann bis um vier, Meredith. Ich freu mich." Er zwinkerte mir kurz zu, dann drehte er sich um und verließ den Kiosk. Welch Rückansicht.

„Könnten Sie den Kaffee vielleicht erst bezahlen, bevor sie hinein sabbern?"

„Was?" Mit verklärtem Blick wandte ich mich in die Richtung, aus der die Stimme kam und sah geradewegs in das pickelige Gesicht der halbwüchsigen Kioskaushilfe. Die Jugend hat aber auch wirklich keinen Respekt vor dem Alter. Aber gut, vielleicht hatte ich ein klein wenig geträumt und vielleicht war es mir bei all diesen vielen Reizen, die ich in meinem Kopf nochmal in Schnellfolge abgespielt hatte, ein wenig schwerer gefallen als sonst meinen Mund geschlossen zu halten. Trotzdem hatte ich für die Aushilfskraft nur ein leises „Hmpf" über, bevor ich ein paar Geldstücke auf den Tresen knallte und mich auf den Weg zur Arbeit machte.

Völlig abgehetzt betrat ich die Agentur des Housekeepingservices und krallte mir das Klemmbrett, auf dem meine Arbeit für den Tag verzeichnet war. Halb rennend blätterte ich mich durch die Karteikarten meiner Klienten. Na, war denn Momentan die halbe Welt im Urlaub, oder was? Soviel konnte ich heute auf gar keinen Fall machen. Da wäre ich ja um vier noch längst nicht fertig gewesen und ich musste vorher schließlich noch einkaufen gehen.

„ALICE!" Ohne Anzuklopfen stürmte ich das Büro meiner Chefin, die gerade am Telefon hing und mir für den plötzlichen Überfall böse Blicke zukommen ließ. „Ich ruf Sie später wieder an", beendete sie das Gespräch, bevor sie die perfekt manikürten Hände faltete und mich mit oberlehrerhaftem Blick ansah. „Dir auch einen schönen guten Morgen, Meredith. Was kann ich für dich tun?"

„Zu viel!" Ich knallte mein Klemmbrett auf ihren Schreibtisch und haute wie eine völlig Bekloppte mit meinem Zeigefinger darauf rum. „Prinz! Kaffee! Vier! Einkaufen muss!", schrie ich sie an.

„Ah ja!" Sie nickte verständnisvoll. „Du hast also heute Morgen vergessen deine Tabletten zu nehmen. Verstehe ich dich da richtig?"

„Tabletten? Was für Tabletten?" Verwundert kratzte ich mich am Kinn. Dazu sollte ich vielleicht sagen, dass ich in meinem Kopf gesagt habe: „Ich habe meinen Traumprinzen getroffen. Er hat mich zum Kaffee eingeladen. Heute Nachmittag um vier. Ich muss vorher unbedingt noch einkaufen gehen." Das ich aber statt dieser wirklich sinnmachenden Sätze nur sinnlose Worte herausgeschleudert hatte, war mir gar nicht aufgefallen. Aber ich war auch ein nervliches Wrack. Ein nervliches Wrack, mit Schmetterlingen im Bauch, Herzrasen in der Brust und nichts Anzuziehen im Kleiderschrank.

Wäre ich eine echte Prinzessin, hätte mir das alles gar nichts ausgemacht. Dann wäre ich trotzdem fröhlich pfeifend meiner Arbeit nachgegangen, während fleißige Waldbewohner mir ein perfektes Outfit nähten. In das hätte ich dann nur noch reinschlüpfen müssen, während mir drei muntere Spatzen das lange wallewalle Haar kämmten und fertig wär die Laube. Da ich aber höchstens darauf hoffen konnte, dass mir in der Stadt eine Taube auf den Kopf kackte, musste ich selber dafür sorgen, dass Aidan der Atem durch mein bezauberndes Antlitz genommen wurde.

„Die Tabletten, die verhindern, dass du ein völliges Wirrwarr von Worten von dir gibst, die kein Mensch versteht. Was ist denn los mit dir? Du siehst ja nicht gerade gut aus."

Ich sah nicht gut aus? Ach, du heilige Scheiße! Das war doch sicher nicht ihr Ernst, oder? Warum sah ich nicht gut aus? Was? Hatte ich einen Pickel? Schon wieder Herpes? Einen schlimmen Ausschlag? Oh Gott, diese Ungewissheit.  Ich brauchte einen Spiegel und dann irgendwas, um das gute Aussehen wieder herzustellen. Wieso sagte sie sowas? Übernahm meine Chefin nun etwa die Rolle der bösen Hexe, oder was? Man konnte doch einer Frau, die kurz vor einem Herzinfarkt stand, weil sie ein Date mit ihrem Traumprinzen hatte, nicht einfach sagen, dass sie scheiße aussah. Oh Gott! Und ich hatte noch nicht einmal Aidans Nummer um ihm abzusagen. Ich konnte ihn doch nicht einfach so versetzen. Oh Gott! Oh Gott! Oh Gott! Ich begann stoßweise die Luft aus meinen Lungen zu pressen und ließ mich in einen der Sessel fallen, die vor Alice´ Schreibtisch standen. Mit der flachen Hand fächerte ich mir Luft zu und versuchte die drohende Hyperventilation zu verhindern. Ich war vielleicht keine Prinzessin, aber dafür eine echte Dramaqueen.

„Meredith?" Mit besorgter Miene drückte sich Alice aus ihrem ledernen Schreibtischstuhl hoch, umrundete ihren Tisch und ging vor mir in die Hocke. „Meredith!" Hart umfassten ihre Hände meine Schultern und sie schüttelte mich leicht. „Könntest du mir bitte sagen, was passiert ist?"

„Ich... ich..." Gott, alles in meinem Kopf drehte sich. Wie schlimm war es um mein desolates Äußeres bestellt? Konnte ein Kosmetiker da noch was retten oder war ein chirurgischer Eingriff notwendig? Ich meine, ich war mir ja schon immer darüber im Klaren, dass ich nicht die Schönste im ganzen Lande war, aber wie schlimm konnte es in den letzten zwei Stunden geworden sein? Ich versuchte mich so gut es ging zu beruhigen, atmete zweimal tief ein und wieder aus und erzählte Alice dann die ganze Geschichte von Aidan und meiner Verabredung und das es mir deshalb nicht möglich war den ganzen Tag zu malochen.

„Und deshalb veranstaltest du hier so einen Affenzirkus? Ich hab gedacht, irgendwas Schlimmes sei geschehen!", herrschte mich meine Chefin an und richtete sich wieder auf. „Ist doch super. Du hast deinen Traummann getroffen und er hat dich auf einen Kaffee eingeladen. Du solltest lieber singend durch die Gegend hüpfen und fröhlich pfeifen oder sowas in der Art." Na, die hatte gut reden. Wie sollte man denn bitte fröhlich pfeifen, wenn die eigene Chefin einem einen solchen Schreck einjagte, das man kaum noch atmen konnte? „Wenn du lieber shoppen gehst, als zur Arbeit, dann mach das doch einfach. Andere Mädels verdienen sicher auch gerne mal das ein oder andere Pfund mehr. Aber veranstalte hier nicht ein Drama in drei Akten."

„Du bist mir also nicht böse?" Eigentlich war es mir egal, ob sie böse war oder nicht, aber ich hab durchaus mal so etwas wie eine gute Erziehung genossen, also irgendwann vor langer, langer Zeit. Und ab und zu puhlte sich diese Erziehung halt an die Oberfläche und dabei raus kamen solche Fragen. Sie war schließlich meine Chefin und ich auf das Geld angewiesen. Da konnte ein klein bisschen schleimen nicht schaden, auch wenn mir in diesem Moment grob geschätzten 3 Milliarden andere Dinge durch den Kopf gingen.

„Ich bin nicht böse. Kommst du denn morgen?"

„Das hoffe ich doch. Es sei denn, ich rede weiterhin nur Blödsinn und werde mich nach dieser Verabredung erschießen." Auf immer noch ungewöhnlich weichen Beinen (nicht das ich jemals über besonders viel Muskelmasse verfügt hätte) erhob ich mich aus dem Sessel.

„Na, dann hoffe ich für dich, dass du das in den Griff bekommst." Alice hatte sich bereits mein Klemmbrett unter den Nagel gerissen und murmelte irgendetwas vor sich hin. „Ist noch was?" Gekonnt schielte sie über das Brett hinweg in meine Richtung, da ich immer noch mitten im Raum stand und keinerlei Anstalten machte irgendwas zu tun. Auf was ich eigentlich gewartet hab, weiß ich bis heute nicht. Ich schüttelte also mit dem Kopf. „Na, dann hau ab!"

Mit dem Bus brauchte ich zwanzig Minuten bis zur Oxfordstreet. Ich find es übrigens ganz schön überwältigend, wie viele Menschen sich dort an einem Montagmorgen tummeln. Haben die alle kein Zuhause? Ich hasse es einkaufen zu gehen, wenn die Geschäfte aus allen Nähten platzen und man vor den Umkleidekabinen Schlange stehen muss. Aber an diesem Tag hatte ich einfach keine andere Wahl, als mich diesem Martyrium zu stellen. Völlig gereizt bahnte ich mir meinen Weg durch die wilden Mengen und war nicht gerade geizig mit meinem Schimpfwörterkontingent, wenn ich unsanft beiseite gedrängelt wurde oder jemand genau vor mir das letzte Kleid in meiner Größe vom Kleiderständer nahm. War aber vielleicht schon besser so. Wenn ich jetzt soviel schimpfte wie es eben ging, dann hatte ich mich später wieder ausgeschimpft. Und da ich mich heute ohnehin schon total paddelig und daneben benahm, so musste ich Aidan ja nicht noch den Eindruck vermitteln, ich sei unnötig aggressiv.

Ich erstand ein luftig buntes Frühlingskleid, das, so bildete ich mir zumindest ein, meinen Hintern schmal und meine Brüste groß wirken ließ. Zumindest unterstrich es meine Augenfarbe und angeblich gucken Männer da ja immer als erstes hin. Ich halte dieses Gerücht zwar für eine Lüge, aber ich musste mich an irgendwas hochziehen, weshalb dieses Kleid gut zu mir passte, denn ich mochte das Kleid. Mit meiner Errungenschaft unter dem Arm sprang ich also direkt in den nächsten Bus der mich zu meinem Friseur brachte. Eigentlich saß das Geld in dem Monat überhaupt nicht mehr drin, aber es musste sein. Nur wenn ich vom Friseur kam, sahen meine Haare wirklich gut aus. Und ich wollte nicht nur wirklich, sondern umwerfend gut aussehen. Was ich nicht bedacht hatte war, dass man zu Juan Pablo nicht einfach so hin ging, wie zu irgendeinem Billigfriseur. Nein. Man brauchte schon einen Termin. Und den machte man im Voraus. Eigentlich vereinbarte ich meine Termine für das ganze Jahr immer schon im Januar. Ich musste also betteln, ja fast schon auf Knien rutschen und mir ein paar Tränchen aus den Augenwinkeln drücken, bis man mit mir Erbarmen hatte. Und trotzdem musste ich noch über eine Stunde warten, bevor sich Juan Pablo meiner annahm. Doch all das Flehen, heulen und warten wurde am Ende belohnt. Wie immer sah ich (zumindest auf dem Kopf) fabelhaft aus, als ich den kleinen Salon verließ. Mir blieben noch drei Stunden, um auch den Rest in Ordnung zu bringen.

Zurück in meiner Wohnung versuchte ich mir ein wenig  Ruhe anzutun, was mir natürlich mehr schlecht als recht gelang. Ich wollte mir gerade einen Kaffee aufsetzen, als mir ein paar sehr weise Worte einfielen, die meine Mutter mir einst mit auf den Weg gegeben hatte. Nämlich, dass man vor einer Verabredung so wenig wie möglich trinken sollte, damit man nicht ständig auf die Toilette rennt und der Junge denkt, man sei nur in sein eigenes Spiegelbild verliebt. Ich seufzte und stellte die Kaffeemaschine wieder aus, um mich stattdessen meinem Outfit zu widmen. Das Kleid stand ja fest, also machte ich mich in den weiten meines Kleiderschrankes auf die Suche nach einem passenden Jäckchen und die Unterwäschefrage musste schließlich auch noch geklärt werden.

Ich finde Unterwäsche ist so ziemlich mit das wichtigste, das man trägt, egal ob der Rest der Welt sie sieht oder nicht. Sagen wir zum Beispiel mal meine „Nimm mich jetzt und hier" Unterwäsche.  Bordeauxrot mit schwarzer Spitze. Sieht der Mann jetzt nicht, also so lange ich noch angezogen bin. Aber so bald ich diese Unterwäsche trage, verändert sich meine ganze Körpersprache. Und nicht nur meine. Die einer jeden Frau. Kein Witz. Ich kann mich an die Straße stellen und Ihnen genau sagen welche Frau ihre „Nimm mich jetzt und hier" Unterwäsche trägt. Dann gibt es noch die schicke Wäsche. Die ist eher schlich und meistes einfarbig mit dezenter Spitze, oftmals auch aus Satin. Sieht auch keiner, aber man fühlt sich gleich ein wenig edler. Der Gang ist aufrechter, die Gesten weicher. Außerdem gibt es noch die Faulenzer Wäsche. Diese ist meist bequem und häufig quietschbunt und sobald man sie trägt, will man auch nur noch auf dem Sofa liegen und Schokolade essen.

Welche Wäsche ist aber die richtige für die erste Verabredung mit dem Traumprinzen, über den man außer seinen Namen so gar nichts weiß? Die „Nimm mich jetzt und hier" Unterwäsche sollte man wohl besser erst mal im Schrank lassen. Ich gehöre zwar nicht zu der Sorte Mensch, die Sex beim ersten Date ablehnt, aber da ich nicht wusste wie er so tickt, wollte ich auch nicht, dass er dachte, ich sei leicht zu haben. Sexy sollte die Unterkleidung aber trotzdem sein. Sollte es nämlich doch noch zu zwischenmenschlicher Nähe kommen, wollte ich nicht, dass er auspackt und denkt, er hätte sich eine prüde Sekretärin oder sowas ins Bett geholt. Muss ja nicht sein. Entspricht ja auch nicht der Wahrheit. Und lügen darf man nicht.

Und so wühlte ich mich durch meine Unterwäscheschublade, die immer leerer wurde, weil ich die für untauglich befundenen Wäschestücke einfach hinter mich in den Raum warf. Mit einem roten BH in der Hand richtete ich mich schließlich wieder auf und betrachtete das Kleidungsstück genauer. Rot als Signalfarbe - immer sehr sexy. Das ganze war auch aufwendig mit Spitze versehen, aber es war dennoch schlicht genug. Genau richtig also. Aber wo bitte war das Unterteil dazu? Wieder wühlte ich in der Schublade, doch fündig wurde ich nicht. Hatte ich den passenden Slip am Ende irgendwo vergessen? Aber eigentlich konnte das nicht sein, ich war mir nämlich ziemlich sicher, den letztens irgendwann noch angehabt zu haben.

Nachdenklich ging ich rüber ins Badezimmer, wo ich im Wäschekorb vor der Waschmaschine fündig wurde. Wusste ich es doch. Leider war das gute Stück noch ungewaschen und so stellte ich mich ans Waschbecken, um es in Handarbeit zu reinigen. Anschließend drehte ich die Heizung auf und hängte den Slip darüber. „Du hast genau eine Stunde Zeit um zu trocknen", teilte ich dem roten Stoffstück mit und ging zurück ins Schlafzimmer.

Was dann geschah war soweit eigentlich Routine. Ich schlüpfte schon mal in den BH, um diesen fachmännisch mit meinem Silikonkissen auszustopfen. Wichtig war dabei natürlich, dass man das Ganze nicht sah. Sprich, dass links genauso aussah wie rechts. Das war nicht sonderlich schwierig, wenn man den Dreh erst einmal raus hatte. Ich fand es schwieriger, das kleine Kissen unauffällig verschwinden zu lassen, sollte es zu spontanem Sex kommen. Aber das war gerade nicht mein Problem. Ich stopfte mich also aus und zog das Kleid über den Kopf. Natürlich ganz vorsichtig, um Juan Pablos Werk nicht zu zerstören, bevor es an die Restaurierungsarbeiten ging. Cremen, zupfen, pudern, klopfen, tuschen, verwischen, auftragen.... Naja, das übliche eben. Den Wäscheberg in meinem Schlafzimmer ließ ich mit einem finsteren Blick liegen. Ich wusste, dass meine Chancen denkbar schlecht standen, dass dieser von den fleißigen Mäusen, Rehen, Kaninchen und Rotkehlchen beseitigt würde, während ich weg war, aber es war bereits kurz vor vier. Zwar kommt eine echte Lady immer ein paar Minuten zu spät, aber eine Lady wollte ich eh nie sein, also egal. Schnell schlüpfte ich in meine Schuhe und ließ das dünne Jäckchen über meine Arme gleiten. Ein letzter Blick in den Flurspiegel, ein letztes Mal meine Busenfreundinnen ins rechte Licht gerückt und ab durch die Mitte.

Am Kiosk angekommen war Aidan weit und breit noch nirgendswo zu sehen und für einen kurzen Moment zog sich mein Herz ein wenig zusammen. Er würde mich doch nicht etwa versetzen oder? Aber es war gerade erst vier Uhr. Ein paar Minuten Verspätung standen wohl auch einem echten Gentleman zu und ich konnte die Zeit nutzen, um noch in Ruhe eine Zigarette zu rauchen und meine Nerven vielleicht ein klein wenig zu beruhigen. Und so tat ich es. Der blaue Dunst beruhigte mich tatsächlich ein wenig und mein Herz machte einen riesigen Sprung, als mein Traumprinz um die Ecke gebogen kam. Wie am Vortag und am Morgen, sah er wahnsinnig gut aus. Lächelnd kam er auf mich zu und wahrscheinlich hätte ich sogar zurück gelächelt, wäre mir nicht just in diesem Augenblick etwas Rotes eingefallen, das immer noch über der Heizung in meinem Badezimmer hing.

Verdammt!

 

 

 

 

 

 


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