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Author's Chapter Notes:
So ihr Lieben, hiermit gebe ich feierlich ein weiteres kapitel zum lesen frei. ich wünsche euch viel Spaß damit. Es ist gleichzeitig euer Weihnachtsgeschenk. Ich wünsche euch allen ein frohes fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Leider wird es erst dann ein weiteres update geben, weil ich nach den feiertagen zu der lieben siri fliege um mit ihr ins neue Jahr zu feiern. Ich wünsch euch alles gute. Und revt bis dahin fleissig. Ihr habt ja nun viel zeit *lach*

Wussten Sie, dass eine Zweizimmerwohnung in Londons Innenstadt 342 Pfund die Woche kostet? Ich wusste es nicht, bis ich das erste Mal meine Miete alleine zahlen sollte. Ja spinn ich denn? Gehört mir denn das ganze Haus oder nur diese Wohnung? Das konnte ich mir beim besten Willen nicht leisten. Fing also schon mal super an das richtige Leben. Ich brauchte eine neue Wohnung, denn in meiner alten konnte ich ohne reichen Ehemann nicht bleiben.  Ich möchte sie jetzt nicht mit allen Einzelheiten dieser Wohnungssuche nerven, aber es war definitiv schrecklich.  Alles was ich mir leisten konnte war nicht nur winzig, sondern auch noch in Stadtteilen, in denen ich noch nie zuvor gewesen bin. Kennen Sie die Kilburn High Road? Da ist es so laut, da kann man der beste „Tonausschalter" der Welt sein und dreht trotzdem noch am Kabel. Das Haus, in dem ich mir eine Wohnung ansehen wollte erinnerte weniger an ein Haus, als mehr an ein Zirkuszelt. Ein sehr altes und sehr marodes Zirkuszelt. Die rote Farbe bröckelte nur so von der Fassade und ich hatte wirklich große Sorge, das Gebäude könne jeden Moment zusammenstürzen. Die Immobilientante brauchte eine geschlagene viertel Stunde, bis sie die Tür offen hatte und wurde zur Belohnung fast von einer schlecht gekleideten, jungen Dame* über den Haufen gerannt, die es scheinbar sehr eilig hatte. Nein, hier wollte ich auf gar keinen Fall wohnen.

Insgesamt besichtigte ich 73 Wohnungen, wovon 12 im Vorfeld ausschieden, weil ich Angst hatte, das Gebäude würde mir unter meinem nicht so zarten Hintern zusammenbrechen und ich würde, begraben unter einem Haufen Trümmern, kläglich dahin scheiden. Bei 17 weiteren Wohnungen hatte ich Angst vor der Gegend, in der sie sich befanden. Zu lebhaft war meine Fantasie was Bandenkriege, Drogenumschlagplätze und frei rumrennende Massenmörder und Vergewaltiger anging. Ich wollte es unter allen Umständen vermeiden in irgendeiner Form erschossen, aufgeschlitzt oder geschändet zu werden.  Zwar wäre das sicher ein gutes Mittel gewesen, um meinen Eltern ein richtig schlechtes Gewissen zu machen, schließlich hatte sie es mit ihrer plötzlichen Habgier geschafft mich in eine solche Gegend zu treiben. Aber was nützte mir all ihr schlechtes Gewissen und ihre späte Einsicht, wenn ich am Ende tot war? Ich musste mir also was anderes einfallen lassen, um das Herz meiner Eltern zu erweichen und mich wieder in den Schoß der Kreditkarteninhaber aufzunehmen, aber erst mal brauchte ich eine Wohnung, die mir keine Angst machte und vom Preis her erschwinglich war.

Die restlichen 44 Wohnungen hatten alle eine Gemeinsamkeit. Sie waren winzig. In manchen hätte noch nicht einmal ein einziger Zwerg Platz gefunden um sich frei zu entfalten. Und ich war kein Zwerg, sondern ein Mensch. Ein Mensch, der gerne sieben Zwerge gehabt hätte. Aber wo hätte ich die alle unterbringen sollen, ohne gegen die Menschenrechte zu verstoßen?  Ich hätte doch in kürzester Zeit Amnesty International und die gesammelte Fabelwesen Gewerkschaft oder sowas in der Art am Hals gehabt. Das wollte ich lieber nicht riskieren. Also strich ich die sieben kleinen Helferlein von der Liste in meinem Gedächtnis und machte damit einen großen Schritt weg von meinem Ziel eine Prinzessin zu werden. Um aber auch der drohenden Obdachlosigkeit zu entfliehen, entschied ich mich schließlich für eine Wohnung in der Old Kent Road, weil diese neben einem Schlafzimmer wenigstens eine Küche hatte, die so groß war, dass man dort auch mal Gäste hinsetzen konnte. Ich wollte nämlich nicht, dass Leute die zu mir kamen, sofort in meinem Wohnzimmer standen. Wohnklo mit Kochnische war also gefunden und das für schlappe 140 Pfund die Woche. Das konnte ich aufbringen. Das konnte ich sogar von meinem monatlichen Grundgehalt bezahlen. Irgendwie fand ich das sehr beruhigend.

Ziemlich hilflos stand ich am Ende in meiner neuen Wohnung und wusste nicht wo hinten und vorne war. Meine Möbel passten bei weitem nicht alle in mein neues Revier. Ich musste mich also von ein paar Möbelstücken verabschieden, die ich irgendwie als sinnlos erachtete. Diese Gegenstände musste man aber auch erst mal finden. Gut, die hässliche Stehlampe, die mir meine Schwester zum Einzug geschenkt hatte, konnte schon mal weg. Mich von der zu trennen fiel mir nicht sonderlich schwer. Aber die restlichen Möbel? Ich hatte schließlich jedes Stück mit viel Sorgfalt ausgesucht. Alles passte genau zusammen. Alles gehörte zusammen. Ich reiß meinem Hund doch auch nicht zwei Beine aus, wenn er nicht in den Kofferraum meines neuen Wagens passt.   Gut, ich habe keinen Wagen und ich habe auch keinen Hund, aber ich finde den Vergleich trotzdem sehr passend. Und mal angenommen es wäre mir geglückt, mich von ein paar Sachen zu trennen, wie hätte ich die restlichen in meine neue Wohnung schaffen sollen?

Jetzt komme ich nämlich zu dem Punkt, weshalb ich das Wort „Freunde" nur noch in Anführungszeichen von mir gebe. Seit bei mir nämlich Schmalhans Küchenchef ist, behandeln mich meine angeblichen „Freunde" wie eine Aussätzige. Da geht man einmal nicht mit zu einer Party und gibt als Grund die nicht vorhandene Liquidität des eigenen Sparkontos an, ist man schwups raus aus der Clique. Und wenn man dann noch ablehnt, an einer ausgedehnten Shoppingtour teilzunehmen,  obwohl Gucci die neue Frühjahrskollektion rausgebracht hat, wird man zum Abschuss freigegeben. Ich brauchte also nicht auf die Hilfe meiner „Freunde" bei meinem Umzug zu hoffen. Aber auf wessen Hilfe dann? Die meines Vaters? Sicher nicht. Überhaupt sollte erst mal eine ganze lange Weile ins Land ziehen, bevor ich überhaupt wieder mit dem sprach. Also klopfte ich reumütig bei meiner Schwester an die Pforte. Die war zu dem Zeitpunkt allerdings hochschwanger und gab somit nicht gerade die perfekte Möbelpackerin ab. Mit ein paar Tränchen kriegte ich sie allerdings so weit mir einen Umzugsservice zu finanzieren. Zwar war ihre noble Spende mit einem irrsinnig langen Vortrag verbunden, aber den hab ich auf lautlos gestellt.

Ich trennte mich am Ende von einem meiner zwei Sofas, einer Kommode und meiner Essecke. Nachdem ich nämlich herausgefunden hab was ein Zollstock ist und wie und wozu man den benutzt, musste ich feststellen, dass in meiner neuen Wohnung beim besten Willen kein Platz dafür war. Dank einem sehr bekannten Internetauktionshaus, konnte ich die Sachen wenigstens noch  zu Geld machen und mir davon einen Tisch mit vier Stühlen kaufen, die neben dem Sofa in meiner Wohnküche noch Platz fanden. Das restliche Geld ging für einen neuen Kühlschrank drauf. Denn der, der sich in der Küche bereits befand machte mir ebenfalls Angst. Meine Vormieter müssen sehr dreckige Menschen gewesen sein. Ich jedenfalls wollte keine Lebensmittel in diesen „Kühlschrank" legen. Ich war nämlich kein Fan von Krankheiten und die hätte man sich dort unter Garantie geholt. Ich musste nur einmal rein gucken und hatte drei Minuten später einen Herpes in der Größe eines Rosenkohls an der Lippe. Warum machen Leute derart ekelhafte Dinge?

Doch auch mit Herpes war ich verdammt stolz. Ich hatte das geschafft, was ich mir selbst nie im Leben zugetraut hätte. Ich hatte einen Job und eine eigene Wohnung. Ich war nicht glücklich, aber doch irgendwie zufrieden mit mir. Jetzt wo ich diese Hürde genommen hatte, hatte ich endlich etwas Zeit mir einen Plan auszudenken, wie ich all das schleunigst wieder los werden konnte. Das klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber ich war damals wirklich nicht gewillt, mich diesem Zustand geschlagen zu geben. Ich musste einfach nur irgendeine Idee haben, um meinen Vater davon zu überzeugen, dass seine Idee völliger Quatsch war. Doch bis ich diese tolle Idee hatte und sie in die Tat umsetzten konnte, musste ich für mein Leben völlig neue Prioritäten setzen. Und das ist jetzt wirklich mal verdammt schwer, wenn man ein faules Gewohnheitstier ist.

Fakt ist, wenn ich mich weiterhin in teure Designerklamotten hüllen wolle, musste ich mehr arbeiten. Denn je mehr ich arbeitete, desto mehr Geld verdiente ich. Je mehr Geld ich verdiente, umso mehr Geld konnte ich ausgeben. Es war eine ganz klare Sache. Ich musste entweder meine Gewohnheiten über Board werfen und anfangen bei Woolworth einzukaufen oder ich musste meine Faulheit bezwingen und jeden Tag mit viel Arbeit verbringen. Es begann eine Zeit, die ich Rückblickend immer gerne „die Experimentalphase" nenne. Ich probierte aus. Ich arbeitete wenig und testete, wie weit ich mit dem Geld kam. Dann  arbeitete ich wieder viel und verglich den Monat mit dem Vormonat. Im Nachhinein würde ich behaupten, ich hätte auch eine ganz gute Wissenschaftlerin abgegeben. Hätte ich mal vor diesem völlig sinnlosen Philosophiestudium wissen sollen. Ich notierte alles ganz genau und am Ende siegten meine Oberflächlichkeit und meine Gewohnheit. Ich versuchte so gut es ging meine Faulheit zu überwinden und übernahm so viele Klienten wie es mir möglich war.

Mit Vorliebe übernahm ich die Klienten, die in der Wohngegend meiner Eltern wohnten. Ich hatte nämlich keinen blassen Schimmer, was meine Eltern wohl ihren Nachbarn und Freunden erzählten, was ich jetzt tat. Und ich dachte, wenn mich jemand von denen auf der Straße ansprach und fragte, könnte ich ihm oder ihr erzählen in was für eine grässliche Misslage mich meine Eltern getrieben hatten. Das hätte natürlich für jede Menge Furore gesorgt und wäre meinen Eltern schrecklich peinlich gewesen. Sie hätten mir einfach wieder Geld zukommen lassen müssen. Was in meiner Fantasie aber als spitzen Plan galt, funktionierte im richtigen Leben irgendwie so gar nicht. Zwar traf ich in gemütlicher Regelmäßigkeit auf Freunde und Nachbarn meiner Erzeugerfraktion und diese grüßten auch immer freundlich, aber nach meinem Wohlergehen erkundigte sich niemand. Wieso auch? Das Problem der Oberschicht ist, dass jeder glaubt ihm selbst ginge es am schlechtesten und deshalb interessiert man sich erst gar nicht  für die Sorgen der anderen. Und wirklich schlimme Dinge werden von vornherein totgeschwiegen, damit sie gar nicht erst an die Öffentlichkeit gelangen können und zu Tratsch werden. So ist in unserer Familie zum Beispiel noch nicht ein Wort über das so offensichtliche Tablettenproblem meiner Mutter gefallen. Ein Problem über das nicht gesprochen wird, gibt es nicht. So einfach kann das Leben sein. Zumindest wenn man Geld hat.

Naja, wie auch immer. Mein Plan ging jedenfalls nicht auf und ich entwickelte mich in der Zwischenzeit zu einem richtigen Workaholic. Wer hätte das jemals erwartet? Also ich ganz sicher nicht. Oft arbeitete ich sieben Tage die Woche. Nur selten nahm ich mir sonntags frei, weil ich samstags mal auf eine Party wollte. Gut, mein Job war jetzt auch nicht wirklich so anstrengend, aber immerhin. Ich entwickelte sogar so etwas wie Hobbys. Eigentlich hatte ich mich nur widerwillig von meiner Arbeitskollegin Tira dazu überreden lassen, mit ihr ins Theater zu gehen. Ich fand Theater immer sehr spießig und eher was für Leute wie meine Eltern. Konnte ich ja nicht ahnen, dass ich am Ende so darauf abfahren würde. Und da ich bei meinen „Freunden" ja ohnehin unten durch war (Nicht einer von denen hat mich bisher in meinem eigenen kleinen Reich besucht und auch nur die wenigsten meldeten sich noch ab und zu, um mich zu einer Party einzuladen) hatte ich neben meiner Arbeit viel Freizeit. Ich entdeckte meine Leidenschaft für Kultur. Ich legte immer etwas Geld zur Seite, um mir einmal im Monat einen Theaterbesuch leisten zu können und klapperte die Londoner Museen ab.

Ich gewöhnte mich langsam an mein Neues Leben. Ich nahm es meinen Eltern auch nicht mehr all zu krumm, dass sie mich einfach so hatten sitzen lassen und versöhnte mich genau 17 Monate später mit ihnen. Irgendwie trägt sich die neue Gap Jeans ja auch gleich viel bequemer, wenn man sie sich selbst erarbeitet hat. Wieder eine Erkenntnis in meinem Leben, die ich durch Erfahrungen errungen hatte. Ich hortete die Klamotten der letzten Saison auch nicht mehr. Ich hatte ohnehin nur Platz für einen Kleiderschrank. Und so konnte ich, dank dem Internet, aus meinen alten Klamotten sogar wieder Geld machen, das ich für neue Klamotten ausgeben konnte, Außerdem konnte ich so auch noch jemanden glücklich machen, dem es noch schlechter ging als mir und die sich halt nur die Stücke der letzten Saison leisten konnte. Und das finde ich, ist irgendwie sozial. Und sozial sein ist eine sehr prinzessinnenhafte Eigenschaft. Also ein Schritt nach vorne. Find ich gut.Ich musste einfach nur weiter hart an mir arbeiten und dann würde es eines Tages auch klappen, mit meinem Traum. Ich war mir so sicher. Aber den passenden Prinzen, den brauchte ich dann  auch noch.

Und das bringt mich dazu euch zu erzählen, wie ich Aidan kennenlernte. Es war genauso wie es die großen Hollywoodromanzen vormachten. Ich hatte mir den Sonntag ausnahmsweise frei genommen, weil ich mit Tira am Samstag noch lange auf einer Party gewesen war. Für diesen Tag  hatte ich mir vorgenommen, einfach gar nichts zu tun, außer auf meinem Sofa zu liegen und fern zu sehen. Ich schlüpfte in meinen bequemen Jogginganzug und ging noch schnell runter, um am Kiosk an der Ecke eine Schachtel Zigaretten zu erstehen.

Mit mehr oder weniger Interesse blätterte ich dort  durch einige Zeitschriften und entschloss mich dazu, auch hiervon noch einige mitzunehmen, um mein Nachmittagsprogramm ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten und machte mich  einem ganzen Stapel Magazine unter dem Arm auf den Weg zur Kasse. Im  vorbeigehen bediente ich mich schließlich noch am noch am Süßigkeitenregal. Wenn man schon mal nichts tat, dann durfte die Schokolade schließlich nicht fehlen. Dort stieß ich dann allerdings nicht gerade sanft mit jemandem zusammen. Genau genommen war das sogar richtig schmerzhaft. Und ich mag keine Schmerzen

 „Oh man, passt doch auf!", wetterte ich drauf los, ohne die Person anzusehen und bückte mich, um die Zeitschriften und Schokoriegel wieder aufzuheben. Erst als mir ein weiteres Paar Hände zur Hilfe kam, sah ich auf und direkt in das schönste  Paar Augen, das es auf der Welt gab. Ich hielt inne. Vollkommen gebannt von dem Blick in diese wunderschönen Augen. Nur langsam ließ ich meinen Blick über das ebenfalls perfekte Gesicht zu diesen perfekten Augen schweifen, das mich entschuldigend anlächelte. Er war es. Der Prinz, der Star des Footballteams, der Mann meiner Träume.

Und dann durchfuhr es mich wie ein Blitz. Vor mir stand der Mann meiner Träume und ich trug meinen ausgewaschenen, altrosa Jogginganzug, der diesen idiotischen „Bitch" Schriftzug auf dem Hintern hatte. Ich hatte ihn damals nur gekauft, weil er fast geschenkt war und weil es mich ohnehin nicht interessierte was ich trug, wenn ich auf dem Sofa lag. Aber jetzt war ich nicht in meiner Wohnung, sondern im Kiosk an der Ecke und vor mir der Mann meiner Träume. Von einer Sekunde auf die nächste entwich mir zuerst alle Farbe aus dem ungeschminkten Gesicht, bevor ich knallrot anlief. Ohne ein weiteres Wort, ließ ich die Zeitschriften und Schokoriegel wieder auf den Boden fallen, stand auf und rannte zurück zu meiner Wohnung, so schnell mich meine untrainierten Beine trugen.

Als wäre ein wahnsinniger Massenmörder mit einer Kettensäge hinter mir her, sprintete ich die Treppe des Hauses hinauf, schloss meine Wohnungstür auf und verschwand im Inneren. Erst dann erlaubte ich mir selbst wieder zu atmen, was mir deutlich schwerer fiel als sonst. Sonst renn ich aber auch nicht wie eine Bekloppte. Und das atmen wurde mir auch nicht leichter, als mir auffiel, was ich gerade getan hatte. Ich hatte IHN getroffen und war davon gerannt, weil ich scheiße aussah. Eine nachvollziehbare Reaktion, natürlich, aber wie in aller Welt, sollte ich ihn nun wiedertreffen. „Verdammt!", entfuhr es mir laut und zu allem Überfluss hatte ich nun noch nicht einmal Zigaretten, um meinen Frust in Qualm zu verwandeln.

Ich fand am Ende noch eine angefangene Schachtel Zigaretten, irgendwo in einer Schublade. Eigentlich ist es gar nicht so schlecht, wenn man sich vor lauter Scham nicht mehr aus dem Haus traut, aber trotzdem Zigaretten haben will. So hatte ich wenigstens mal wieder alle meine Schubladen durchwühlt und dabei den einen oder anderen Schatz wieder gefunden, den ich bereits vermisst hatte.

Die Nacht verbrachte ich durchwachsen. ER wollte mir nämlich einfach nicht aus dem Kopf gehen. Ich musste einen Weg finden, um ihn wieder zu finden. Aber wie? Ich zerbrach mir in dieser Nacht unnütz den Kopf, aber das sollte ich erst am nächsten Tag herausfinden. Und da ich leider nicht über die Gabe verfüge in die Zukunft zu blicken, wälzte ich mich unruhig von einer Seite auf die andere.

Das hatte zur Folge, dass mir mein Spiegelbild am nächsten Morgen eher unfreundlich entgegen blickte. Trotzdem gelang es mir tatsächlich, mein Äußeres einigermaßen herzurichten, so dass ich mich guten Gewissens zur Arbeit trauen konnte. In gewohnter Alltagsmanier, ging ich zum Kiosk. Ich brauchte schließlich immer noch Zigaretten und meinen morgendlichen Kaffee, den ich mir dort immer holte, bevor ich mich auf den Weg zur Tube machte. Und erst dort sollte ich feststellen, dass ich am Vortag nicht nur die Zeitschriften und Süßigkeiten auf den Boden geschmissen hatte, sondern mit ihnen auch mein Portemonnaie. Jedenfalls ließ es sich  nicht finden, als ich gerade die Zigaretten und den Kaffee bezahlen wollte.

„Wo ist das scheiß Teil nur?", murmelte ich leise und wühlte in den unendlichen Weiten meiner Handtasche. Normalerweise würde ich jeden Mann einen Lügner schimpfen und  zum Teufel jagen, der behauptete, Frauen würden nur unsinniges Zeug in ihren Taschen durch die Gegend tragen, aber an diesem Tag wäre ich fast geneigt gewesen, einer solch gewagten Theorie zuzustimmen. Ich fand grob geschätzte 70 Feuerzeuge, mehrere Lippenstifte, meine Lieblingswimperntusche, die ich bereits abgeschrieben hatte, alte Kassenzettel, leere Kippenschachteln, benutzte und unbenutzte Taschentücher, ein paar Handschuhe und jede Menge weiteren Kleinkram. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich geglaubt, in der Tasche von Mary Poppins zu wühlen. Doch von meiner Geldbörse fehlte jegliche Spur.

„Suchen Sie vielleicht das hier?", wollte eine warme, angenehme Bassstimme hinter mir wissen und als ich mich umdrehte, hielt mir jemand meine teure Designerbörse unter die Nase, die mehr gekostete hatte, als jemals in ihr gesteckt hatte.

„Oh, danke!" Glücklich griff ich danach und wieder entluden sich spontane Blitze über dem kleinen Kiosk in London.

Meine Hand berührte die seine. Haut auf Haut. Elektrizität entlud sich. Mein Prinz. Wärme breitete sich in meinem ganzen Körper aus. Da waren sie wieder. Diese Augen. Diese wundervollen Augen. Und diese Stimme. Diese mehr als angenehme Stimme. Diese Stimme, von der man wollte, dass sie einem liebevolle Zärtlichkeiten ins Ohr flüsterte. Und diese Hände. Diese langen, filigranen gepflegten Hände, die umgehend den Wunsch in mir auslösten, von ihnen berührt zu werden. Und zwar überall an meinem Körper. Ich atmete hörbar die aufgeladene Luft ein, in der Hoffnung, mein Herzschlag würde sich mit Hilfe von Sauerstoff regulieren, aber da hatte ich mich getäuscht. Ich konnte ihn einfach nur anstarren. Ich wollte etwas sagen, irgendetwas Kluges, Charmantes und überaus geistreich Witziges, aber meine Lippen blieben versiegelt.

„Sie haben es bei Ihrer Flucht gestern verloren. Der Mitarbeiter sagte mir, dass Sie morgens immer herkommen und da dachte ich mir, ich gebe es Ihnen persönlich", sprach stattdessen die wundervolle Stimme meines Prinzen zu mir. Pures Hollywood, genau wie ich es euch versprochen hatte.  Anders, als es in Filmen allerdings geschah, fiel mir nichts Schlagfertiges ein, was ich darauf hätte erwidern können. Stattdessen kicherte ich wie ein kleines Schulmädchen, dass das männliche Genital benennen sollte. Na, herzlichen Glückwunsch.

„Ich bin übrigens Aidan", teilte  mein Prinz mir mit, der nun endlich einen Namen hatte  weiter, um die peinliche Stille zu überbrücken, die entstanden war.

„M... Me... Meredith", kam es nur zögerlich über meine Lippen, aber hey, ich hatte etwas gesagt und wenn ich schon nichts Kluges zu Stande brachte, so hatte ich wenigstens auch nichts völlig Dämliches gesagt. Ich finde, das ist ein Anfang.

„Schöner Name."

„Er ist walisisch." Soviel zum Thema nichts Dämliches gesagt zu haben. Das hatte sich damit ja wohl auch erledigt. Jetzt würde er sich sicher umdrehen und gehen.

 


Chapter End Notes:
* Die junge Dame hat übrigens auch ihre eigene Geschichte... http://fanfiction.oblonline.de/viewstory.php?sid=2459&warning=10

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