Liebe.
Reine, ehrliche, aufrichtige, alles überstehende Liebe.
Eine schöne Vorstellung, die uns von klein auf eingetrichtert wird. Es fängt an mit den Märchen, die unsere Eltern uns erzählen wenn wir Kinder sind. Sie handeln von Prinzen und Prinzessinnen, die auf unerklärliche Weise zusammen gehören. Die sich sehen und für immer und ewig lieben, glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Irgendwann hören unsere Eltern auf uns Märchen zu erzählen. Der Fernseher rückt an diese Stelle. Prinzen werden gegen junge Footballhelden und Prinzessinnen gegen das schönste Mädchen an der Highschool ausgetauscht. Der Ablauf dieser Romanze ist dann im Endeffekt wieder der Selbe wie im Märchen, nur auf eine modernere Art und Weise.
Ich bin allerdings wenig prinzessinnenhaft. Keine Ahnung wie das passieren konnte, aber so ist es. Es fängt schon bei den rein körperlichen Attributen an. Prinzessinnen sind IMMER wunder- wunderschön. Ganz egal ob Dornröschen oder Schneewittchen, ja sogar das abgewrackte Aschenbrödel sieht im Putzkittel noch betörend aus. Ich tue das nicht. Hingegen jeden Prinzessinnenklischees fallen mir meine Haare nicht in weichen Wellen bis auf die Hüften. Ganz im Gegenteil. Meine Haare sind dünn und irgendwie fransig. Ein bisschen wie Lametta das man zu lange mit einer Schere bearbeitet hat. Deshalb lasse ich auch jeden Monat viel Geld bei meinem Friseur, damit er rettet, was halt eben noch zu retten ist. Weiter geht es mit dem riesigen Zinken den ich meinem Vater zu verdanken habe und über den sich meine Familie bei jeder sich bietenden Gelegenheit lustig macht. Ganz ehrlich? Ich persönlich find mein Riechorgan gar nicht so schlimm. Die Streisand hat da definitiv mehr Pech gehabt. Trotzdem erzählt meine Mutter jedem der es nicht hören will, spätestens nach dem zweiten Glas Champagner, dass sie Gott auf Knien dankt das ich nicht mit den Füßen voran das Licht der Welt erblickt habe, was meine Nase zu einer Art Widerhaken gemacht hätte.
Aber der liebe Gott hat mir nicht nur im Gesicht zu viel Gewebe zukommen lassen, sondern auch an meinem Hintern. Jedes Brauereipferd wäre neidisch. Aber ich will nicht meckern. Also ich will schon, aber was würde es nützen? Dafür wurde ja ausgleichende Gerechtigkeit geschaffen indem mein Busen einfach eine Nummer zu klein ausfiel. Und nicht nur das. Meine rechte Brust ist klein, aber die linke ist noch kleiner. Ich habe mal eine Zeitlang darüber nachgedacht, mir die überflüssige Hinternmasse einfach per Skalpell nach oben verfrachten zu lassen, konnte mich aber irgendwie doch nie so wirklich dazu durchringen. Viel zu groß ist meine Abneigung gegen Nadeln im Allgemeinen und Spritzen im Besonderen. Und auf Schmerzen steh ich auch nicht sonderlich. Wieso sollte man sich also freiwillig welche zufügen lassen? Stattdessen muss sich meine linke Brust einfach mit so einem gummiartigen Austopfdingen zufrieden geben und all meine restlichen körperlichen Komplexe versuche ich damit wider wett zu machen, indem ich mich in Kleidung hülle, die ich mir eigentlich gar nicht leisten kann.
Und damit wären wir wohl bei Punkt zwei meiner nicht prinzessinenhaften Erscheinung angelangt. Prinzessinnen sind nämlich sehr sozial veranlagte Erscheinungen. Sie haben Respekt vor jedem Lebewesen. Außer die Alte aus dem Froschkönig. Die wollte den Frosch schließlich nicht küssen, obwohl sie es ihm versprochen hat. Aber irgendwie kann ich das verstehen. Ich würde auch keine Kröte küssen wollen. Alleine bei dem Gedanken daran bekomme ich schon einen Herpes. Ja. Ich bin irgendwie oberflächig. Also irgendwie schon, irgendwie aber auch nicht. Ich kann das grad ziemlich schwer erklären. Es ist nicht so als würde ich meine Mitmenschen nicht respektieren, egal wo sie einkaufen aber für mich selbst lege ich schon irgendwie Wert auf mein verkommenes Äußeres.
Eine weitere Tugend einer waschechten Prinzessin ist der Fleiß. Den ganzen Tag sind diese fabelhaften Erscheinungen am spinnen und am machen und am tun. Ich allerdings bin eher faul. Nicht nur eigentlich, wenn man es genau nimmt. Ich bin ganz sicher faul. Stinkefaul sogar. Mich in Sachen Handarbeiten zu betätigen käme mir gar nicht erst in den Sinn, bin ich doch sogar zu faul dazu, das Geschirr in die Spülmaschine zu stellen. Stattdessen stelle ich es lieber oben drauf und ärgere mich wenn ich keine sauberen Teller mehr im Schrank hab und dann alles auf einmal einräumen muss. Aufgeräumt ist bei mir, wenn ich es erfolgreich geschafft habe all mein Hab und Gut in den Wandschrank zu stecken. Und das es Menschen geben soll die sich aus Spaß sportlich betätigen löst bei mir lediglich verständnisloses Kopfschütteln aus.
Und obwohl ich so über alle Maße hinaus so gar keine Prinzessin bin, so habe ich mir trotzdem den Glauben daran bewahrt, dass eines Tages ein Ritter in glänzender Rüstung auf einem weißen Ross herbei eilt und mir genau diese reine, ehrliche, aufrichtige, alles überstehende Liebe gibt, die man sonst nur aus Märchen kennt. Und ob mein Glaube belohnt wurde, oder ob ich mich am Ende doch mit einer Kröte abgeben musste, das will ich ihnen hier nun erzählen. Die Geschichte meines Lebens.