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Author's Chapter Notes:
Leider kann Katie aus privaten Gründen diese Geschichte nicht mehr betan. Deshalb sage ich an dieser Stelle Danke für die viele Zeit und Mühe, die man benötigt um meinen chaotischen Schreibstil zu sortieren. Danke für all die wertvollen Tips und Helferlein und überhaupt alles. Und damit ich mich nicht so sher umgewöhnen muss begrüßen wir ab heute erst einmal vorläufig Cattie als neue Beta. Applaus bitte für soviel Mut, dass sie sich getraut hat, mich zu betan. Und ich finde, sie hat es echt ordentlich hinbekommen. Lob und Anerkennung.

Im übrigen tut es mir wie immer leid, dass es so lange gedauert hat, aber auch ich habe momentan privat sehr viel um die Ohren und quäle mich ein wenig mit dem schreiben, weil mir häufig Zeit und Lust fehlen. Ich hoffe das dieses Kapitel aber trotzdem einigermaßen annehmbar geworden ist.

 

 

Mister Orlando Blooms Londoner Stadtresidenz beherbergte zehn nicht gerade kleine Zimmer. Die Waschmaschine befand sich in einem kleinen traurigen Raum, mit weiß verputzen Wänden, im Keller. Direkt daneben stand der Wäschetrockner. Außerdem gab es in dem lieblos eingerichteten Raum noch eine zusammenklappbare Wäschespinne, sowie ein Bügelbrett mit dazugehörigem Eisen. Die restlichen Räume waren dann allerdings doch nicht ganz so trostlos eingerichtet wie das Wasch-, Trocken-, Bügelzimmer und zeugten sogar von einem gewissen Stilbewusstsein. Im Keller gab es noch zwei weitere, großzügig geschnittene Räume. In dem einen war eine Art Fitnessstudio eingerichtet mit jeder Menge fies aussehender Geräte. Ich warf nur einen kurzen Blick in die Folterkammer und schloss dann schnell wieder die Tür. Schon bei dem Gedanken an körperliche Ertüchtigung begannen meine Muskeln zu schmerzen. Hinter der anderen Tür verbarg sich das Spielzimmer. Der Raum für die großen Jungs, die in ihren Herzen noch kleine Knaben sind. Nebst einer Bar beherbergte dieser Raum einen ziemlich teuer aussehenden Billardtisch, einen Flipperautomaten, eine Dartscheibe und einen riesenhaften Flachbildfernseher, natürlich mit Spielkonsole. Bei diesem Anblick musste ich auflachen. Männer!

 

Im Erdgeschoss befand sich die Küche, die einem ein bisschen das Gefühl gab, sich im Ausstellungsraum eines Möbelhauses zu befinden. Höchstwahrscheinlich wurde hier nicht wirklich viel gekocht, da man zum Essen lieber das neueste Szenerestaurant aufsuchte. Der Kühlschrank war jedenfalls tottokompletti leer, was ich allerdings auf die längere Abwesenheit des Hausbesitzers zurück führte. Das Esszimmer glänzte durch elegante Langeweile. Ein großer Tisch, sechs Stühle, ein Buffet in dem sich Teller und Gläser stapelten und ein paar Pflanzen und indirekter Beleuchtungskram. Nix Spektakuläres eben, aber ganz sicher von einer Frau eingerichtet. Das Wohnzimmer war weniger gemütlich, dafür aber mit Sicherheit von irgendeinem Designer nur für Mister Bloom entworfen. Viel Glas und schwarz lackiertes Metall, das nicht unbedingt dazu einlud, sich mit einer Tüte Chips auf die Couch zu kuscheln. Sidi schien sich aber trotzdem ganz wohl zu fühlen. Jedenfalls hatte er sich träge auf der teuren Luxuscouch zusammen gerollt und das durfte er eigentlich nicht. Die Hände in die Hüften gestemmt baute ich mich vor ihm auf und ließ ihm einen tadelnden Blick zukommen. Eine einwandfreie Imitation meiner Mutter. Und es wirkte genauso, wie es bei mir immer gewirkt hatte. Der Hund jaulte kurz leise auf, dann kroch er mit eingezogenem Schwanz vom Sofa, als hätte ich ihn ganz böse geschlagen.

 

Über eine aufwendig gekachelte Treppe mit Mosaikoptik gelang ich schließlich ins Obergeschoss, wo es fünf Türen gab, die zum schnüffeln geradezu einluden. Hinter den ersten beiden Türen befanden sich Schlafzimmer im schlichten Schick. Wahrscheinlich Gästezimmer. In jedem der Schlafzimmer standen ein frisch gemachtes Doppelbett, eine Kommode und ein Fernseher. Sie sahen ein bisschen so aus wie die Standartzimmer eines Dreisternehotels. Vielleicht hatte Mister Bloom ja Geldnöte und vermietete deshalb Fremdenzimmer. Damit konnte man sicher den einen oder anderen Penny machen. Ich konnte mir sogar gut vorstellen, dass pubertierende Zahnspangenträgerinnen bereit gewesen wären, ihre gesamten Ersparnisse hinzublättern, um eine Nacht unter dem Dach des Stars verbringen zu können. Auf der gegenüberliegenden Seite der Gästezimmer befand sich ein geräumiges Badezimmer, das der Innenausstatter in den verschiedensten Blautönen gehalten hatte. In diesem Zimmer musste ich auch tatsächlich zum ersten Mal so wirklich die Nase rümpfen. Und zwar über den kitschigen Billigtoilettendeckel aus dem Baumarkt, in dem nicht nur Muscheln und Gedöns eingearbeitet war, sondern auch noch das Bild von zwei Delphinen. Welche Sorte Meeressäuger tummelt sich denn bitte schön in Kloschüsseln? Das fand ich wirklich geschmacklos. Die Dusche war eine normale Standartdusche. In der gegenüberliegenden Ecke war eine Eckbadewanne mit Whirlpoolfunktion eingelassen, die ich gerne mit nach Hause genommen hätte. Auf dem Rand der Wanne hatte jemand (ich hierbei tippe stark auf eine Frau, die Romane liest in denen das Wort Orgasmus immer zuckersüß umschrieben wird und das, obwohl auf jeder zweiten Seite Bumsfalara gefeiert wird) Dekokerzen und Zierflaschen mit Badeschaum drapiert. Außerdem gab es zwei Waschbecken, neben denen ordentlich gefaltete, saubere Handtücher hingen. Die Ablage über dem Waschbecken war leer.

 

Und hinter der letzten Tür auf dieser Etage befand sich schließlich das Allerheiligste. Das Schlafzimmer des Hausherren, persönlich. Ich empfand kurz den Anflug eines schlechten Gewissens, als ich eintrat und somit die Privatsphäre meines Arbeitgebers massiv mit Füßen trat. Aber ein schlechtes Gewissen hielt bei mir nie wirklich lange. Ich hatte schließlich nicht vor irgendwas zu klauen oder das Einrichtungskonzept zu verändern. Ich wollte nur gucken. Seien wir mal ganz ehrlich. Würden sie das nicht auch tun? Und muss man nicht auch damit rechnen, dass jemand Fremdes, den ich mit der Beaufsichtigung meiner vier Wände betreue, ein wenig herumschnüffelt? Liegt die Neugierde nicht tief in der Natur des Menschen? Naja egal, wie sie das jetzt sehen wollen, ich jedenfalls empfand keine Schuldgefühle, sondern begutachtete eine Reihe gerahmter Bilder auf einem Sideboard. Momentaufnahmen von längst vergangenen Zeiten, die einen sehr jungen Mister Bloom mit diversen anderen mehr oder weniger prominenten Persönlichkeiten zeigten. Außerdem Bilder von seiner Familie (zumindest vermutete ich, dass es sich dabei um seine Familie handelte).

 

Eine weitere gerahmte Fotografie befand sich auf dem Nachttisch links vom Bett. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bildern musste ich hierbei allerdings nicht raten, um wen es sich handelte. Ich gehöre schließlich zu den vielen Menschen, die süchtig nach Gossipmagazinen sind (allerdings zu den wenigen, die dies auch zugeben). Wie ein Blumenstrauß an purer Schönheit grinste mich die Freundin des werten Herren an. Perlweiße Zähne, unschuldige Kulleraugen und Grübchen so tief wie Londoner U-Bahnschächte. Miranda Kerr – ihres Zeichens Victoria Secret Unterwäscheengelchen. Naja, niedlich war sie ja schon irgendwie, auch wenn ich sie jetzt nicht als zwingend attraktiv eingeordnet hätte. Musste Mister Bloom aber am Ende ja auch selber wissen und wer weiß, vielleicht hatte sie gewissen Talente. Was mich zum nächsten Gegenstand meines Interesses brachte – das Bett. Ein schwerer Rahmen aus dunklem Mahagoniholz mit allerlei überflüssigen Schnitzereien. Cremefarbene Bettwäsche mit aufgesetzten Goldrand und unzählbar vielen Tageskissen (Das mit den Kissen habe ich übrigens bis heute noch nicht verstanden. Wer macht sich bitte jeden morgen die Mühe zehntausend Kissen auf dem Bett zu platzieren, nur um sie abends wieder runter zu werfen? Ich mach für gewöhnlich noch nicht mal mein Bett.). Na wenn hier nicht mal einer ein wenig protzen wollte, dann weiß ich es auch nicht. Natürlich verfügte auch das Schlafzimmer über einen Fernseher, der den Vergleich mit einer Kinoleinwand nahelegte.

 

Jeweils rechts und links vom Bett gab es eine Tür. Die rechte führte in den begehbaren Kleiderschrank, auf den ich schon ein bisschen neidisch wurde. An jeder Wand standen Deckenhohe Regale, die randvoll mit Kleidung waren, die zum größten Teil im Schrei der neuesten Mode gehalten wurde. Die ein oder andere Kuriosität ließ sich aber trotzdem finden. Auf diese will ich hier nun aber nicht weiter eingehen, sonst hegt am Ende noch jemand den Verdacht ich hätte die Kleidung meines Arbeitgebers durchwühlt und währe somit meinem „Nur gucken“ Vorsatz untreu geworden. Was ich allerdings ein wenig verwunderlich fand, war, dass sich fast nur Herrenkleidung finden ließ. Scheinbar verbrachte Miss Kerr aus beruflichen Gründen oder aus einer persönlichen Abneigung heraus nicht sonderlich viel Zeit in London. Lediglich ein Paar silberne Stilettos (Größe 39) ein schwarzes Etuikleid (Größe 36), ein T-Shirt mit der Aufschrift Little Miss Rainbow (Größe 40 – wahrscheinlich ein Andenken an eine Verflossene und nicht Eigentum von Miss Kerr), sowie ein roter Strickpullover (Etikett wurde herausgeschnitten), zeugten davon, dass sich gelegentlich auch Frauen hier aufhielten.

 

Hinter der linken Tür befand sich das private Badezimmer des Schauspielers, das im Gegensatz zum öffentlichen Waschraum sehr stilvoll, allerdings mit ebenso viel Protz wie das Schlafzimmer eingerichtet war. Dunkelblaue und Cremefarbende Kacheln wechselten sich an den Wänden sowie an der riesigen Badewanne ab. Ein regelmäßiges Muster ließ sich hierbei allerdings nicht erkennen. Das Klo war aus weißer Keramik, die Spülung allerdings in Gold gehalten. Ein echter Thron könnte man wohl sagen. Die weiteren Armaturen an Dusche, Wanne und Waschbecken waren ebenfalls in Goldoptik gehalten. In einem Gläsernen Becher neben dem ruhten zwei Zahnbürsten. Eine in pink und eine in blau (wie niedlich). Eine Armada von Tuben und Tiegeln zierte die Ablage unter dem riesigen, natürlich in Gold gefassten Spiegel. Cremes, Haargel, Peelings, Rasierschaum, ein Rasierer, eine Pinzette und noch viel mehr Gedöns, den man in jedem gut sortierten (Frauen-)Badezimmer vorfand.

 

Unentschlossen ob ich von dem ganzen Kitsch nun angewidert oder beeindruckt sein sollte, verließ ich das Schlafzimmer, um auch noch das Geheimnis der letzten Tür auf dieser Etage zu lüften. Ich vermutete ja schwer, dass es sich hierbei um das Arbeitszimmer handelte und war neugierig, ob sich dort vielleicht ein aktuelles Drehbuch finden ließ. Sollte ich dem Hund schweren Schaden zufügen, so hätte ich dann immer noch streng geheime Details aus Mister Blooms neuesten Film an die Zeitungen verkaufen können, um damit den Schadenersatz aufzubringen, denn der Herr von mir einklagen würde. Allerdings kam ich erst gar nicht dazu die Tür zu öffnen, weil sich eben besagter Hund ein Stockwerk tiefer die Seele aus dem Leib bellte. Was auch immer er wollte, ich entschied, dass ich besser nach ihm sehen sollte. Musste ja nicht sein, dass er bereits hops ging, nachdem Amy erst eine Stunde weg war. Und dieses kleine Geheimnis könnte ich zur Not ja auch noch in den nächsten Tagen heraus finden.

 

Ich stieß einen leisen Seufzer aus und machte mich auf den Weg nach unten. Cindy, ach nein Sidi, saß munter bellend, aber gleichzeitig schwanzwedelnd im Flur vor dem Schlüsselbrett das an der Wand neben der Haustür angebracht war. Wieso in drei Teufels nahmen bellte der Köter Schlüssel an? Scheinbar trug das Tier seinen seltsamen Namen zu Recht, weil es ein seltsames Vieh ist. „Was ist denn los?“, schlug ich den süßholzrasplenden Singsangton an, mit dem ich auch zu meinen Nichten sprach. Ganz vorsichtig näherte ich mich ihm, um sicher zu gehen, dass er sich nicht urplötzlich umdrehte und mir an die Kehle sprang. Klar, ich weiß auch, dass das dämlich war. Da konnte ich ja so langsam gehen wie ich wollte. Wenn das Vieh beschließen würde mich zu meucheln war es so oder so schneller. Selbst wenn ich mich in einem anderen Raum befunden hätte, hätte er mich gewittert und zerfleischt. Aber Vorsicht ist nun einmal die Mutter der Porzellankiste. Neben dem Hund kam ich schließlich zu stehen. Zögerlich streckte ich meine Hand aus und ließ ihn erst einmal daran schnuppern, damit er sich erinnerte, dass es sich bei mir um einen Freund handelte, dann strich ich ihm zaghaft über den unförmigen Kopf. Sidi zeigte sich von meinem ganzen zimperlichen Gehabe indessen ziemlich unbeeindruckt. Genau genommen bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass er bis zu dem Moment, in dem ich ihn berührt hatte, noch nicht einmal Notiz von mir genommen hatte. Und als ich ihn schließlich streichelte, sah er auch nur einmal kurz zu mir herauf und kläffte dann unermüdlich weiter das Schlüsselbrett an.

 

Hätte ich meine Aufmerksamkeit mal direkt auf den Gegenstand seiner Begierde gerichtet, anstatt ewig lange den Hund zu betrachten und zu grübeln, dann wäre mir auch sofort aufgefallen, was er denn nun eigentlich wollte. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass der Groschen schließlich sofort fiel, als ich meinen Blick hob und dieser auf die Hundeleine fiel. Schließlich hatte Amy mir mehrmals mitgeteilt, das diese IMMER genau dort hing und Sidi diese eben immer anbellte, wenn er mal raus musste, wollte oder wie auch immer. „Musst du mal pieschern?“, fragte ich vorsichtshalber aber trotzdem noch mal nach und ich war mir ziemlich sicher, dass das Bellen dieses Mal eher zustimmend als fordernd klangt. Bitte nennen sie mich Doktor Doolittle. Blieb nur zu hoffen, dass mein so plötzlich gefasstes Vertrauen in Haustiere nicht ebenso enttäuscht wurde wie das, das ich an Silvester in meine Nichten investiert hatte.

 

Entzückt dem Baulärm für ein paar Minuten entkommen zu können warf ich mir Mantel, Mütze und Schal über und befestigte den Karabinerhaken der Leine an Sidis Halsband. Kaum hatte ich die Tür geöffnet empfand ich den Baulärm allerdings schon wieder als das kleiner Übel. Scheiße. Wieso zur Hölle ist es im Januar eigentlich immer so beschissen kalt? Wenn es wenigstens schön kalt wäre, mit Schnee und Eisblumen an den Fenster, die zu träumen und romantisch sein einluden, aber es war einfach nur kalt. Kalt und grau. Ich sollte auf meiner Liste undbedingt vermerken, dass mein zukünftiger (noch unbekannter), reicher Ehemann unbedingt ein Strandhäuschen irgendwo im Warmen besitzen musste. Bevor ich allerdings mit dem Gedanken spielen konnte, Sidi sein Geschäft lieber im Garten verrichten zu lassen und selber wieder rein zu gehen, hat dieser mich auch schon halb auf die Einfahrt gezogen. Zum Glück hatte ich den mir anvertrauten Haustürschlüssel bereits in die Handtasche gesteckt und brauchte jetzt nur noch die Tür hinter mir zuziehen. Den Handwerkern hätte ich vielleicht auch noch Bescheid sagen sollen, aber dafür ließ Sidi mir keine Zeit. Ich musste mich damit begnügen, einem der Dachdecker zuzurufen, dass ich mal kurz mit dem Hund Gassi gehen war.

 

Das Tier hatte aber auch wirklich die Kraft eines ausgewachsenen Pferdes (zumindest glaube ich, dass Pferde ziemlich stark sind. Im Gegensatz zu meiner Schwester, die das Dressurreiten für etwas unglaublich Schickes gehalten hat, hatte ich immer ein wenig Angst vor Pferden. Und selbst die hätte ich wahrscheinlich kaputt gemacht, obwohl die voll groß und voll stark und so sind) und so hatte er mich binnen Sekunden bereits bis über die Straße gezerrt. Zum Glück kam in dem Moment kein Auto und noch viel mehr zum Glück ist mir kein Absatz bei dem Gerenne abgebrochen. Und so mussten Sidi und ich erst einmal einen kleinen, nonverbalen Machtkampf austragen, bevor wir uns darauf einigen konnten, dass ich ein wenig schneller ging, wenn er dafür aufhörte zu zerren. Als das dann endlich geklärt war, hatte ich auch Zeit darüber nachzudenken, wo ich mit Sidi überhaupt hingehen konnte. Die riesenhaften Schilder mit dem durchgestrichenen, kackenden Hund, die an jeder blöden Straßenlaterne angebracht waren sprachen schließlich Bände über die penible Reinlichkeit in dieser Nachbarschaft. Aber davor hatte Amy mich gewarnt. Sie hatte mir erklärt, dass es ganz in der Nähe einen Hundpark gab, wo ich mit Sidi hingehen konnte. Ich war mir auch ziemlich sicher, dass sie mir den Weg erklärt hatte, allerdings konnte ich mich an kein einziges Wort dieses durchaus wichtigen Teils unserer Unterhaltung erinnern. Verdammt!

 

Uns blieb also nichts anderes übrig, als erst einmal eine ganze Weile durch die Gegend zu irren. Man sollte ja meinen, dass der Hund gewusst hätte wo es lang geht (und eigentlich wusste er es auch), aber nachdem er beschlossen hatte, nicht mehr das testosterongeladene Alphamännchen zu spielen, ließ er sich hörig überall von mir hinführen (ich hätte alles dafür gegeben, wenn auch nur einer meiner Exfreunde sich mir gegenüber mal so gefügig verhalten hätte). Ich sah bereits einen schwach leuchtenden Silberstreif am Horizont, als ich ein großes Tor erblickte hinter dem sich ganz offenbar ein hübscher kleiner Park befand, doch dieser Streifen platschte umgehend ins Meer, als ich sah, dass man auch dort ein Hundeverbotsschild angebracht hatte. Wieso zur Hölle zog man als Hundebesitzer in eine solche Gegend? Ach was rede ich? Wieso schafft man sich überhaupt erst einen Hund an? Gedanklich begann ich so langsam aber sicher mich in Rage zu reden, da mir kalt war und  ich außerdem tierisch genervt war. Außerdem hatte der arme Köter sein Geschäft immer noch nicht verrichtet. Glauben sie es mir oder nicht, aber den Unmut über diesen Umstand konnte man ihm geradezu ansehen. Um meinen Unmut zu besänftigen, hätte es allerdings weniger einem Park als mehr eines Kaffeeschnellrestaurants bedurft. Dort hätte ich auch gleich nach dem Weg fragen können. Aber wie es der Zufall so wollte, war auch ein solches nirgendswo zu sehen. Wäre ja auch zu schön gewesen. Wahrscheinlich trank man in dieser Highsocietygegend überhaupt keinen Kaffee sondern nur grünen Tee oder was sonst grad so trendy war.

Sie können gerne mal schätzen, wie lange ich ziemlich blöde in der Gegend rumstand und auf den rettenden Einfall gewartet hab. Irgendein Gesprächsfetzen aus der Unterhaltung mit Amy oder irgendwas in diese Richtung. Doch in meinem Hirn herrschte zufriedene Leere. Ein Zustand, denn ich sonst eigentlich sehr genieße, der in diesem Augenblick allerdings wenig, bis gar nicht hilfreich war. Ich war so in die innere Betrachtung meiner Gedankengänge vertieft, das Sidi mich fast aus meinen Christian Louboutin Knöchelstiefeln gehauen hätte, als er beschloss wieder die Führung zu übernehmen. Wie ein geölter Blitz rannte er bellend hinter einem jungen Mann her, der zwei kleine Hunde an einer Leine spazieren führte. Keine schlechte Idee, dass musste man der Töle lassen. Der Typ würde sicher wissen, wo der Hundepark zu finden war. Nur würde ich leider nie dazu kommen ihn zu fragen, wenn Sidi mir vorher das Genick bräche. Und so empfand ich den gellenden Schrei, der meine Kehle verließ, als ich dem Tod quasi ins Auge saß, als durchaus gerechtfertigt.  

Naja, mag ja sein, dass ich übertreibe, obwohl ich es schöner finde zu sagen, dass ich einen sehr starken Schutzengel hatte. Wie sie sich sicher denken können habe ich überlebt, sonst könnte ich ihnen diese Geschichte ja jetzt gar nicht erzählen. Ich kam sogar ohne jede Blessur davon, wenn auch mein linker Knöchel am Abend ein wenig schmerzte. Was allerdings viel wichtiger war, als Sidis plötzlicher und hinterlistiger Angriff auf mein Leben (in gewisser Weise hatte ich mit der mordhungrigen Bestie also doch recht), ist der Mann mit den Hunden, der sich aufgeschreckt durch meinen Aufschrei einmal um die eigene Achse drehte und den Hund den ich an der Leine hielt zum stehen brachte. Also der Mann, der mir genau genommen das Leben rettete und mir ganz neue Möglichkeiten eröffnete. Natürlich! Ich befand mich in Londons absoluter Promigegend. Ich. Jung, attraktiv und auf der Suche nach einem reichen Ehemann. Das kann nur Schicksal gewesen sein. 

„Oh danke!“, keuchte ich etwas atemlos, als ich endlich wieder zum stehen kam. „Sie haben mich gerettet. Ich bin ihnen zu ewigem Dank verpflichtet.“ Ich schenkte meinem Gegenüber einen gekonnten Augenaufschlag gefolgt von dem strahlensten Lächeln, dass ich zu bieten hatte. Spiel, Satz und Sieg. Mein Lächeln wurde mit einem ebenso schönen Lächeln belohnt. Wagemutig streckte ich die Hand aus. „Ich bin Meredith.“ 

„Jude“, zwinkerte mein Retter und ergriff die ihm dargebotene Hand um sie zu schütteln.


Chapter End Notes:
Nirnaeth, Mel, Fin, Ladiessa, Wusch, Niko, Schelmin, Tina, Almiel, Kittykat, dala - seid ihr noch daha???

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