
„Endlich“, seufzte ich selig, als ich am vierten Tag des neuen Jahres aus dem Aufzug stieg und die Agentur betrat. Überteuerte Designermöbel, der Geruch von Jean Paul Gaultier Wässerchen und lauter, mächtig wichtig aussehende, völlig überstylte Arbeitskollegen. Hier bin ich Mensch – hier darf ich sein… oder zumindest mir die Zeit vertreiben, damit ich nicht ständig an Aidan dachte und etwas zu tun hatte, bis der stinkendreiche Mann fürs Leben gefunden war. Und darüber war ich so glücklich, dass ich jeden, der mir entgegen kam mit einem übertrieben freundlichen Lächeln begrüßte.
Endlich war wieder Alltag. Meine Schwester ließ es sich natürlich nicht nehmen, mir wegen der Kotzattacke einen langen Vortrag zu halten. Fragen Sie mich bitte nicht, worüber sie gesprochen hat, denn ich hab mal wieder nicht zugehört. Außerdem war ich hier ja wohl das Opfer und nicht Crystal. Aber das wollte Susi in keinster Weise einsehen. Sei´s drum, ich jedenfalls hab geschlagene zwei Tage gebraucht, um mich von diesem Attentat auf mein ästhetisches Empfinden zu erholen. Ich kann einfach nicht mit Kindern. Genauso wie ich kein gutes Händchen für Tiere oder Pflanzen besitze. Aber mit etwas Glück würde ich mir wohl niemals irgendetwas davon anschaffen müssen.
Gut gelaunt griff ich also an diesem Morgen nach dem Klemmbrett mit meinem Namen drauf, um mich direkt in die Arbeit zu stürzen, doch fand ich nichts zum stürzen. Mein Brett hielt nicht einmal einen einzigen Auftragszettel. Mit gerunzelter Stirn starrte ich auf die Hartplastiktafel in meiner linken Hand. Mit der Rechten klopfte ich an die Tür zum Büro meiner Chefin. „Herein!“
„Hast du vergessen, dass ich ab heute wieder da bin?“, fragte ich ohne Umschweife, während ich mit dem Zeigefinger wie eine Bekloppte auf das Klemmbrett tippte.
„Guten Morgen, Meredith“, gab Alice übertrieben betont von sich. Für einen Moment sah ich sie verdutzt an. Schließlich war das ja wohl keine Antwort auf meine Frage gewesen. Ich gebe zu, der Groschen fiel lang und tief, bis mir endlich auffiel, dass ich die gängigen, höflichen Umgangsformen mal wieder mit Füßen getreten hatte.
„Guten Morgen, Alice.“
„Ich hoffe du hattest einen guten Start ins neue Jahr?“
„Ging so“, murmelte ich wahrheitsgemäß und schnitt bei dem bloßen Gedanken daran eine Grimasse des Ekels. „Und selbst?“
„War ganz okay. Hab mit Freunden gefeiert. Also mit denen, die ich nicht an meinen Exmann abtreten musste.“ An dieser Stelle sei vielleicht kurz erwähnt, dass meine Chefin vor zwei Jahren einen sehr unschönen Scheidungskrieg hinter sich gebracht hat. Sie hat ihren Mann genauso oft betrogen wie er sie. Wer nun allerdings glaubt, dass man eine Ehe unter diesen Umständen friedlich zu den Akten legen kann, der irrt sich gewaltig. Alice war der Meinung, sie sei im Recht, weil er sie zuerst betrogen hat. Greg hingegen war der Ansicht, Alice Betrug wöge schwerer, da sie ihn öfter hintergangen hat. Die Fetzten flogen lange und ausgiebig. Am Ende schaffte es irgendein tollkühner Richter, die beiden dazu zu bringen, alles zu gleichen Teilen aufzuteilen. Und dazu gehörten eben auch die Freunde. Das mögen Sie sicherlich seltsam finden und ich kann Sie durchaus verstehen, denn ich finde das Ganze nicht nur seltsam sondern krank.
„Ich hab auf die Kinder meiner Schwester aufgepasst.“ Augenblicklich schossen die Augenbrauen meiner Chefin in die Höhe. Ganz offensichtlich war sie der Auffassung, dass es besser war, den Abend mit nur halb so vielen Freunden zu verbringen, als den Babysitter für eine Horde Terrorzwerge zu spielen. Und Recht hat sie damit.
„Okay.“ Alice räusperte sich kurz, um klar zu machen, dass sie nun das Thema wechseln würde, dann ließ sie sich in ihren Schreibtischstuhl fallen. Lässig lehnte sie sich zurück. Mit einem Kugelschreiber in ihrer rechten Hand trommelte sie unruhig auf der Armlehne herum, während sie mich mit ihren grauen Augen taxierte. „Sprechen wir über deine Arbeit.“ Sie sagte es in einem Tonfall, dass ich kurz der Meinung war, sie würde mich nun jeden Moment rausschmeißen. Schnell ließ ich im Kopf meine arbeitsbedingten Schandtaten der letzten Monate Revue passieren. Aber außer den üblichen vertrockneten Pflanzen, von denen keine irgendeiner besonderen Züchtung abgestammt hatte, war mein Gewissen rein wie der Flügel eines Engels. Ihr war aber wohl der verdutzte Ausdruck auf meinem Gesicht nicht entgangen und ein breites Lächeln zog sich über ihr geliftetes Gesicht. „Setz dich. Ich habe eine Mission für dich.“
„Eine Mission?“ Ich muss gestehen, dass ich ziemlich verwirrt war. Ich meine, ich passe auf fremder Leute Häuser auf. Ein relativ langweiliger Job, wenn man mal ganz ehrlich war. Trotzdem setzte ich mich in den Sessel auf der anderen Seite des Schreibtisches und wartete gespannt, was es mit dieser „Mission“ auf sich hatte.
„Ich habe gestern Abend einen ziemlich interessanten Anruf bekommen. Ein Auftrag, der uns eine ganze Stange Geld bringt und dir natürlich auch weitaus mehr als sonst. Dafür müsstest du allerdings gewillt sein etwas mehr, beziehungsweise etwas länger zu arbeiten als sonst“, begann Alice mit ruhiger und leicht geheimniskrämerischer Stimmer zu sprechen und weckte damit natürlich meine Neugierde. Ich nickte leicht, um mein Interesse zu bekunden und damit sie fortfuhr zu erzählen. „Der Anruf kam von jemandem, der … na, sagen wir mal... eine Person der Öffentlichkeit ist. Zurzeit ist er zwar nicht in London, lässt sein Haus hier allerdings renovieren. Bisher hat eine Freundin von ihm die Renovierungsarbeiten beaufsichtigt, aber die ist nun kurzerhand indisponiert. Und jetzt kommst du ins Spiel.“
„Ich soll also den ganzen Tag irgendwelche Maurer und Tapezierer beaufsichtigen und krieg dafür mehr Geld als sonst?“, fasste ich noch einmal kurz zusammen und schlug die Beine galant übereinander. „Ich bin dabei.“
„Dürfte ich vielleicht erst einmal zu Ende sprechen?“ Genervt rollte meine Geldgeberin mit den Augen, da ich ihre mit Absicht eingelegte, theatralische Pause als Aufforderung gesehen hatte, meinen Senf abzulassen. „Nur irgendwelche Renovierungsmaßnahmen zu beaufsichtigen würde ja sicher nicht so viel Geld reinbringen, wenn du mal genau überlegst und es würde keine Mehrarbeit von dir erfordern. Nein, der wirklich heikle Teil dieses Auftrags ist ein Hund.“
„Ein Hund?“, wiederholte ich wie ein plappernder Papagei.
„Genau, ein Hund. Da der Auftraggeber ihn nicht mit auf seine Reise nehmen konnte, wurde er ebenfalls von der nun indisponierten Freundin betreut. Du beaufsichtigst also nicht nur die Arbeiter, sondern gehst mit der Töle Gassi wenn sie muss, fütterst das Vieh und nimmst es abends mit zu dir.“
„Zu mir?“ Vor Schreck hatte ich die Füße mit einem lauten Knall zurück auf den Boden gestellt und mich im Sessel nach vorne gelehnt, als hätte ich Alice nur falsch verstanden und könnte sie besser hören, wenn ich mich ihr näherte.
„Naja, er kann ja schlecht vom frühen Abend bis zum nächsten Morgen allein in einem renovierungsbedürftigen Haus verbringen. Ich hab zwar nicht viel Ahnung von Hausviechern, aber ich bin mir relativ sicher, dass weder das Tier, noch sein Besitzer das gutheißen würde. Also, was sagst du?“
Ein Hund. Ein Hund war ein Tier und Tiere standen auf meiner „no Go“ Liste relativ weit oben. Nicht auszudenken, was ich für einen Anschiss kassieren würde, wenn ich den Köter kaputt machte. Andererseits hatte ich mich in der Zeit, in der ich nicht arbeiten durfte mit Shoppen über Aidan hinweggetröstet. Das wiederum hatte ein großes Loch in meine Kasse gerissen. Kurzum, ich konnte etwas Extrageld mehr als gut vertragen. „Über wie viel mehr für mich reden wir hier eigentlich?“, wollte ich deshalb wissen.
Ein nahezu diabolisches Lächeln blitzte mir entgegen, bevor Alice nach einem Blatt griff, etwas darauf schrieb, es faltete und über den Tisch zu mir schob. Es bedurfte nur eines kurzen Blickes, um meine Zweifel zu zerstreuen. Dieses Geld wollte ich haben, auch wenn ich mich dafür um einen Hund kümmern musste. Und der Vorteil von Hunden gegenüber Kindern liegt doch eigentlich klar auf der Hand. Sie kotzen einen nicht an. Tun sie doch nicht, oder? Das würde ich schon irgendwie hinkriegen. Anderer Leute besuchten schließlich auch keinen Kurs in Haustierpflege, bevor sie sich so einen lebendigen Wischmopp zulegten. „Ich mach´s.“
„Das ist gut. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste damit drohen, den Job sonst an Farah zu vergeben.“ Wieder grinste Alice. Meine Abneigung gegen meine Kollegin Farah war kein großes Geheimnis und hätte sie mich mit der Zahl auf dem Papier nicht rumgekriegt, dann hätte sie es damit ganz sicher geschafft. Das wusste sie, genauso wie ich es wusste. „Alles klar. Du triffst dich gleich noch mit einer gewissen…“ Mit geübten Fingern wühlte Alice einen Stapel Papiere durch, auf der Suche nach ihren Aufzeichnungen. „ Ah hier. Also du triffst dich mit einer gewissen Amy Hunter, die die dann alles weitere erklärt, was den Hund angeht. Du wirst morgens um halb acht von deiner Wohnung abgeholt, weil du mit dem Tier ja schlecht Bahn fahren kannst. Die Handwerker beginnen für gewöhnlich um acht und arbeiten bis um fünf. Um halb sechs wirst du dann mit Köter wieder zurück zu deiner Wohnung gebracht. Das ganze wird circa eine Woche dauern, wobei ich dir das nicht hundertprozentig versprechen kann.“
Na, das waren doch mal gute Neuigkeiten. Wenn ich mich schon für einen solchen Auftrag hergab, so musste ich wenigstens nicht mit der Bahn zur Arbeit fahren. Dann blieb ja jetzt nur noch eine Frage offen. „Und wer ist jetzt bitteschön der mysteriöse Auftraggeber?“
Energisch verschränkte Alice die Arme auf der Tischplatte und lehnte sich nach vorne. „Meredith, ich will, dass du diesen Job nach besten Wissen und Gewissen ausübst. Ich will, das Lobeshymnen auf dich und die tolle Arbeit der Agentur gesungen werden. Dieser Typ hat Beziehungen. Er erzählt seinen Freunden von uns, wenn du deine Sache gut machst und die heuern uns an und erzählen ihren Freunden von uns. Mir ist das wirklich wichtig. Verstehst du?“
Hatte ich was verpasst oder saß plötzlich nicht mehr mein Boss, sondern meine Schwester vor mir? Für wie blöd hielten mich die Leute eigentlich manchmal? Ich bin vielleicht nicht der klügste Mensch auf der großen weiten Welt, aber ich hab immerhin ein Examen in Philosophie. Eins und eins zusammenzählen, bekam ergo sogar ich noch hin. „Ja, hab ich verstanden. Nun sag schon.“ Ich war wirklich neugierig. So ein Gewese wie Alice betrieb, konnte man ja fast meinen, dass ich auf den Buckingham Palace aufpassen sollte. Und wenn es sich schon nicht um den Wohnsitz der Queen drehte, dann doch wenigstens um das Anwesen von Jude Law, Hugh Grant oder wenigstens den kleinen Jungen aus den Harry Potter Filmen.
„Orlando Bloom.“
„Hm“, grunzte ich etwas enttäuscht. Bisher hatte ich nur einen einzigen Film mit Bloom gesehen. Den Mann hatte ich nicht als besonders Begehrenswert und den Film als besonders unterhaltend empfunden. Aber vielleicht hatte er ja wenigstens interessante Nachbarn. Ich besprach noch die letzten Details mit meiner Vorgesetzten und machte mich schließlich auf den Weg zu meiner Wirkungsstätte der nächsten Tage.
Zwar hatte Alice mir die Adresse zu der ich musste aufgeschrieben, aber eigentlich wäre das gar nicht nötig gewesen. Auch wenn hier jede Villa in einem ziemlich ähnlichen Stil gebaut worden war, stach das Haus meines Arbeitgebers dadurch hervor, dass sich ein halbes Dutzend schmieriger Handwerker an einem halboffenen Dach vergingen. Blieb nur zu hoffen, dass die das bis zum Abend wieder verschlossen hatten, oder zumindest bis zum nächsten Regen. Oder plante Mister Bloom am Ende gar, sein Haus in einen mehrstöckigen Swimmingpool zu verwandeln? Besorgt starrte ich einige Augenblicke nach oben, schaffte es dann aber doch irgendwie, mich von dem entsetzlichen Anblick altersschwacher, pickeliger und behaarter Hinternritzen loszureißen, um den Klingelknopf zu betätigen. Wo war eigentlich der Cola light Mann, wenn man ihn mal wirklich brauchte?
„Hi!“ Mein Blick war schon wieder gen Himmel gewandert, weshalb ich leicht zusammenzuckte, als jemand die Tür aufriss. Mit demselben entsetzten Blick, mit dem ich die Handwerker beglotzt hatte, musterte ich nun die Person, die mir im Türrahmen gegenüber stand.
Vor mir stand eine Frau, die auf keinen Fall größer als einen Meter fünfzig war. Einen Umstand, den sie durch Plateauschuhe zu kompensieren versuchte, die seit mindestens 30 Jahren nicht mehr verkauft werden durften - wegen der Verletzungsgefahr. Sollte dennoch jemand versuchen sie zu übersehen, diente ihr Kopf, der mit einer ganzen Menge pink und lila farbender Dreadlocks bedeckt war, als leuchtendes Warnsignal. Und was ihr Gesicht betraf… naja, auf die schnelle zählte ich zumindest 5 Piercings und stellte damit die These auf, dass diese Frau nicht ohne zu piepsen einen Flughafen betreten konnte.
„Ich, äh…“ Ich musste mich tatsächlich kurz schütteln, damit ich endlich aufhörte, mein Gegenüber so hemmungslos unhöflich anzustarren. „Ich bin Meredith Frowley vom Housekeepingservice.“
„Ah, schön. Auf Sie hab ich schon gewartet. Ich bin Amy.“ Überschwänglich schüttelte sie meine Hand, an welcher sie mich schließlich auch ins Haus zog. Vor einer Tür blieb sie schließlich stehen, hinter der jemand, wahrscheinlich der Hund, lautstark bellte. Immer noch grinsend wie ein Honigkuchenpferd öffnete Amy die Tür und schon wurde ich angegriffen. Schützend presste ich meine Handtasche vor meine Brust und erstarrte quasi zur Salzsäule ,während ich immer wieder „Guter Hund. Braver Hund“ vor mich hin brabbelte.
„Oh, ich dachte, Sie hätten Erfahrung mit Hunden. Entschuldigung. Ich wollte Sie nicht so überfallen.“ Netterweise griff Amy den Hund beim Halsband und zog ihn von mir weg. „Das ist Sidi“, stellte sie mir das große, schwarze Ungetüm vor.
„Cindy?“, wiederholte ich und fragte mich, wie man ein so großes Monster so nennen konnte. Amy schien das ziemlich lustig zu finden, denn sie lachte sich kurzerhand kaputt.
„Nicht Cindy“, brachte sie zwischen zwei Lachsalven keuchend hervor. „Sidi. S-I-D-I.“
„Ach so.“ Sidi? Was sollte das denn bitte für ein Name sein. Da war Cindy ja fast schon noch besser.
„Außerdem ist er männlich. Da würd Cindy wohl nicht so ganz passen. Kommen Sie. Setzten Sie sich.“
Den Hund immer noch am Halsband gepackt, führte mich Amy zu dem großen Designersofa im Wohnzimmer und ließ sich darauf nieder. Ich setzte mich neben sie, wobei ich den Hund nicht aus den Augen ließ, der zwischen uns beiden auf dem Boden Platz genommen hatte und seinen Blick von rechts nach links und wieder zurück wandern ließ.
„Er tut nichts.“ Nicht gerade vorsichtig nahm Amy den Kopf des Hundes zwischen die Hände und kraulte ihn hinter den Ohren. „Sie können ihn ruhig streicheln.“ Es nutzte ja nichts. Ich musste mit dem Hund ja schließlich eine Woche oder sogar länger klar kommen. Es wäre wohl das Beste jetzt rauszufinden, ob er bissig war, wo Amy noch dabei saß, um im Ernstfall den Notarzt verständigen zu können. Zögerlich streckte ich meine Hand aus und ließ sie zögerlich über das schwarze Fell gleiten, das sich unglaublich weich anfühlte. Sidi rührte sich währenddessen nicht einen Millimeter und genoss die Streicheleinheiten sichtlich. Nur sein Schwanz wedelte munter hin und her wobei er mit einem leisen „Plong“ immer wieder auf den Boden aufschlug.
„Sie werden sich schon verstehen“, gab sich Amy zuversichtlich was mich und den Hund anging. „Sie werden sehen. Sidi ist äußerst pflegeleicht und wirklich lieb. Und ich bin einfach nur erleichtert, dass Sie so kurzfristig einspringen konnten. Wissen Sie, meine Großmutter ist gestorben und nun muss ich mit meinem Bruder hoch nach Schottland.“
„Oh. Das tut mir leid.“ Ich warf Amy einen tröstenden Blick zu, während ich mich nun traute den Hund etwas weniger zaghaft zu kraulen.
„Das muss es nicht. Sie war ne alte Hexe, um ehrlich zu sein. Aber sie war auch reich und ich bin es nicht. Wenn ich also ein Stück vom Kuchen abhaben will, muss ich mich wohl oder übel hochbemühen.“ Amy legte eine gespielt beschämte Miene, ob ihrer Anmerkung auf, doch ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen. Ich mochte Amy. Sie war immerhin ehrlich und machte keinen Hehl daraus, das es ihr wie den meisten Menschen - mich eingeschlossen - nur ums schnöde Geld ging.
Ich redete noch eine ganze Weile mit der ulkig und leicht verschrobenen Frau. Sie erklärte mir, welche Renovierungsarbeiten wo vorgenommen wurden und in welchen Räumen die Handwerker rein gar nichts zu suchen hatten. Außerdem klärte sie mich über den richtigen Umgang mit Hunden auf. Wie oft Sidi welches Futter bekam, woran ich merke, dass er mal muss, wohin ich dafür mit ihm gehen konnte und so weiter und so fort. Während unserer Unterhaltung wurden ich und das schwarze Ungetüm auch allmählich warm miteinander. Wenigstens hegte ich nicht mehr den Verdacht, eine blutrünstige Bestie vor mir zu haben, als Amy uns am frühen Nachmittag verließ, weil ihr Flieger nach Edinburgh noch am selben Abend ging.
Nachdem sie gegangen war, machte ich mich erst mal auf, dass Haus zu erkunden. Ich war schließlich neugierig, wie so ein Hollywoodstar lebte - und wo seine Waschmaschine stand.